Freitag, 16. Mai 2014


Wie der Arbeiter, welcher ein Gebäude aufführen hilft, den Plan des Ganzen entweder nicht kennt, oder doch nicht immer gegenwärtig hat, so verhält der Mensch, indem er die einzelnen Tage und Stunden seines Lebens abspinnt, sich zum Ganzen seines Lebenslaufes und des Charakters desselben. Je würdiger, bedeutender, planvoller und individueller dieser ist, desto mehr ist es nötig und wohltätig, daß der verkleinerte Grundriß desselben, der Plan ihm bisweilen vor die Augen komme. Freilich gehört auch dazu, daß er einen kleinen Anfang in dem »Erkenne dich selbst« gemacht habe, als wisse, was er eigentlich, hauptsächlich und vor allem andern will, was also für sein Glück das Wesentlichste ist, sodann was die zweite und dritte Stelle nach diesem einnimmt; wie auch, daß er erkenne, welches, im ganzen, sein Beruf, seine Rolle und sein Verhältnis zur Welt sei: Ist nun dieses bedeutender und grandioser Art; so wird der Anblick des Planes seines Lebens, im verjüngten Maßstabe, ihn, mehr als irgend etwas, stärken, aufrichten, erheben, zur Tätigkeit ermuntern und von Abwegen zurückhalten.

Wie der Wanderer erst, wenn er auf einer Höhe angekommen ist, den zurückgelegten Weg, mit allen seinen Wendungen und Krümmungen, im Zusammenhange überblickt und erkennt; so erkennen wir erst am Ende einer Periode unseres Lebens, oder gar des ganzen, den wahren Zusammenhang unserer Taten, Leistungen und Werke, die genaue Konsequenz und Verkettung, ja, auch den Wert derselben. Denn, so lange wir darin begriffen sind, handeln wir nur immer nach den feststehenden Eigenschaften unseres Charakters, unter dem Einfluß der Motive, und nach dem Maße unserer Fähigkeiten, also durchweg mit Notwendigkeit, indem wir in jedem Augenblicke bloß tun, was uns jetzt eben das rechte und angemessene dünkt.

Erst der Erfolg zeigt was dabei herausgekommen, und der Rückblick auf den ganzen Zusammenhang das Wie und Wodurch. Daher eben auch sind wir, während wir die größten Taten vollbringen, oder unsterbliche Werke schaffen, uns derselben nicht als solcher bewußt, sondern bloß als des unsern gegenwärtigen Zwecken angemessenen, unsern damaligen Absichten entsprechenden also jetzt gerade rechten: aber erst aus dem Ganzen in seinem Zusammenhang leuchtet nachher unser Charakter und unsere Fähigkeiten hervor: und im einzelnen sehen wir dann, wie wir, als wäre es durch Inspiration geschehn, den einzig richtigen Weg, unter tausend Abwegen, eingeschlagen haben – von unserm Genius geleitet. Dies alles gilt vom Theoretischen, wie vom Praktischen, und im umgekehrten Sinne vom Schlechten und Verfehlten.

Freitag, 9. Mai 2014

Je n'étudie que ce qui me plaît; je n'occupe mon esprit que des idées qui m'intéressent. Elles seront utiles ou inutiles, soit à moi, soit aux autres. Le temps amènera ou n'amènera pas les circonstances qui me feront faire de mes acquisitions un emploi profitable. Dans tous le cas, j'aurai eu l'avantage inestimable de ne pas me contrarier, et d'avoir obéi à ma pensée et à mon caractère.
I only study what pleases me; I only occupy my spirit with the ideas that interest me. They may be useful or useless, either to myself or to others. Time may or may not bring circumstances in which I can employ profitably what I have acquired. In any case, I will have had the inestimable advantage of not denying myself, and of having obeyed my thought and character.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Quand j' étais jeune, ayant les besoins des passions, et attiré par elle dans le monde, forcé de chercher dans la société et dans les plaisirs quelques distractions à des peines cruelles, on me prêchait l' amour de la retraite, du travail, et on m' assommait de sermons pédantesques sur ce sujet. Arrivé à quarante ans, ayant perdu les passions qui rendent la société supportable, n' en voyant plus que la misère et la futilité, n' ayant plus besoin du monde pour échapper à des peines qui n' existaient plus, le goût de la retraite et du travail est devenu très vif chez moi et a remplacé tout le reste ; j' ai cessé d' aller dans le monde : alors, on n' a cessé de me tourmenter pour que j' y revinsse ; j' ai été accusé d' être misanthrope, etc. Que conclure de cette bizarre différence ? Le besoin que les hommes ont de tout blâmer.
When I was young, having all the needs that come from passions and led by them into society, forced to look there and in pleasures for distraction to my cruel pains, people preached love of solitude and work to me and harassed me with pedantic sermons on the subject. Now that I am forty years old, having lost the passions that made society bearable, no longer seeing anything but misery and futility in it, having no more need of it to escape from pains that no longer exist, love for solitude and work has become very lively in me, and has replaced everything else. I've stopped going into society. Since then, however, people haven't stopped plaguing me to go back into it. I have been accused of being a misanthrope, etc. What conclusion can be drawn from the difference between what they say now and when I was young? The need that men have to blame everything.

Samstag, 3. Mai 2014


Alles ist gesagt, und seit mehr als siebentausend Jahren kommt man zu spät – seit es Menschen gibt, die denken. Auf dem Gebiete der Sitten ist das Trefflichste und Beste heimgebracht; nach den Alten und den Geschicktesten unter den Neueren kann man nur Nachlese halten.
Everything has been said, and one comes into the world too late after seven thousand years in which there have been thinking men. The most beautiful and best mores have shown themselves; one can only glean from the ancients and the clever among the moderns.
Tout est dit, et l’on vient trop tard depuis plus de sept mille ans qu’il y a des hommes et qui pensent. Sur ce qui concerne les moeurs, le plus beau et meilleur est enlevé; l’on ne fait que glaner après les anciens et les habiles d’entre les modernes.