Donnerstag, 10. Juli 2014


Als ich der Welt und dem Vermögen entsagte, fand ich Glück, Stille, Gesundheit, ja Reichtum und merkte, dem Sprichwort zum Trotz, dass, wer das Spiel aufgibt, es gewinnt.

En renonçant au monde et à la fortune, j'ai trouvé le bonheur, le calme, la santé, même la richesse; et en dépit du proverb, je m'aperçois que qui quitte la partie la gagne.

When I renounced society and fortune, I found happiness, calm, health and even wealth; and despite the proverb, I find that whoever quits a game wins it.  

Ich habe mich über die Ereignisse sicherlich zu beklagen. Vielleicht auch über Menschen, über die ich aber nicht spreche. Ich beklage mich nur über die Ereignisse und gehe den Menschen aus dem Weg, weil ich nicht mit denen leben will, die mir die Last der Ereignisse aufbürden.

J'ai à me plaindre des choses très certainement, et peut-être des hommes; mais je me tais sur ceux-ci; je ne me plains que des choses, et si j'évite les hommes, c'est pour ne pas vivre avec ceux qui me font porter les poids des choses.    

I could very surely complain about many things, and perhaps many people; but I stay silent about these latter; I only complain about things, and if I avoid men, it's so that I don't have to live with people who would make me bear the weight of things.  

Freitag, 27. Juni 2014


Daher kommt es, daß wir oft auf Dinge hinarbeiten, welche, wenn endlich erlangt, uns nicht mehr angemessen sind; wie auch, daß wir mit den Vorarbeiten zu einem Werke die Jahre hinbringen, welche derweilen unvermerkt uns die Kräfte zur Ausführung desselben rauben.

So geschieht es denn oft, daß der mit so langer Mühe und vieler Gefahr erworbene Reichtum uns nicht mehr genießbar ist und wir für andere gearbeitet haben; oder auch, daß wir den durch vieljähriges Treiben und Trachten endlich erreichten Posten auszufüllen nicht mehr imstande sind: die Dinge sind zu spät für uns gekommen. Oder auch umgekehrt, wir kommen zu spät mit den Dingen; da nämlich, wo es sich um Leistungen, oder Produktionen handelt: der Geschmack der Zeit hat sich geändert; ein neues Geschlecht ist herangewachsen, welches an den Sachen keinen Anteil nimmt; andere sind auf kürzeren Wegen uns zuvorgekommen usf.

Alles unter dieser Nummer angeführte hat Horaz im Sinne, wenn er sagt:
quid aeternis minorem Consiliis animum fatigas

Was ermüdest du deinen so schwachen Geist mit Plänen für die Ewigkeit?

Freitag, 20. Juni 2014


Überhaupt aber ergeht es uns im Leben wie dem Wanderer, vor welchem, indem er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten annehmen, als die sie von ferne zeigten, und sich gleichsam verwandeln, indem er sich nähert. Besonders geht es mit unseren Wünschen so. Oft finden wir etwas ganz anderes, ja, besseres, als wir suchten; oft auch das Gesuchte selbst auf einem ganz anderen Wege, als den wir zuerst vergeblich danach eingeschlagen hatten. Zumal wird uns oft da, wo wir, Genuß, Glück, Freude suchten, statt ihrer Belehrung, Einsicht, Erkenntnis – ein bleibendes, wahrhaftes Gut, statt eines vergänglichen und scheinbaren.