Um die Schande voll zu machen, es ist nicht
keinen Monat her, seit man mich dabei ertappte, nicht zu wissen, dass man zum
Brotbacken Sauerteig braucht.
Dienstag, 19. Juli 2016
Samstag, 2. Juli 2016
Es gibt, wenn ich es
sagen darf, untergeordnete und subalterne Geister, die nur gemacht zu sein
scheinen, um ein Sammellager, Inhaltsverzeichnis, Stapelplatz der Zeugnisse der
grossen Talente zu sein: sie sind Ausschreiber, Übersetzer, Zusammenträger; sie
denken nicht, sie sagen, was die andern gedacht haben.
There are, if I dare say it, inferior and subordinate spirits who seem
to be made only to collect, register and store all the productions of other
geniuses: they are plagiarists, translators and compilers; they do not think at
all, they say what authors have thought; and since the ability to distinguish
and choose between thoughts requires invention, they do so badly, with little
justice, in a way that shows they rather bring many things together than
excellent ones; they have nothing original that belongs to them; they only know
what they have learned and have only learned what no one wants to know, an arid
science, devoid of charm and utility, which is never mentioned in conversation,
which is out of use, like a money that has no currency at all: one is at once
amazed at what they have read and annoyed or bored by what they say and the
works they write. People in power and people who are vulgar confound them with
savants, and people who are wise recognize them as pedants.
Il y a des esprits, si je l'ose dire, inférieurs et subalternes, qui ne
semblent faits que pour être le recueil, le registre, ou le magasin de toutes
les productions des autres génies: ils sont plagiaires, traducteurs,
compilateurs; ils ne pensent point, ils disent ce que les auteurs ont pensé; et
comme le choix des pensées est invention, ils l'ont mauvais, peu juste, et qui
les détermine plutôt à rapporter beaucoup de choses, que d'excellentes choses;
ils n'ont rien d'original et qui soit à eux; ils ne savent que ce qu'ils ont
appris, et ils n'apprennent que ce que tout le monde veut bien ignorer, une
science aride, dénuée d'agrément et d'utilité, qui ne tombe point dans la
conversation, qui est hors de commerce, semblable à une monnaie qui n'a point
de cours: on est tout à la fois étonné de leur lecture et ennuyé de leur
entretien ou de leurs ouvrages. Ce sont ceux que les grands et le vulgaire
confondent avec les savants, et que les sages renvoient au pédantisme.
Donnerstag, 9. Juni 2016
Man sehe das starre
Entsetzen, mit welchem ein Todesurteil vernommen wird, das tiefe Grausen, mit
welchem wir die Anstalten zu dessen Vollziehung erblicken, und das
herzzerreißende Mitleid, welches uns bei dieser selbst ergreift. An solchen
Erscheinungen wird sichtbar, dass der Wille zum Leben das Allerrealste, ja, der
Kern der Realität selbst ist.
Der Galgen ist ein Ort ganz besonderer
Offenbarungen und eine Warte, von welcher aus dem Menschen, der daselbst seine
Besinnung behält, die Aussichten in die Ewigkeit sich oft weiter auftun und
deutlicher darstellen, als den meisten Philosophen über den Paragraphen ihrer
rationalen Psychologie und Theologie. Dies geht aus den uns aufbewahrten, von
Verbrechern gehaltenen Galgenpredigten hervor, welche zeigen, welche große und
schnelle Umwälzung des innersten Wesens in Menschen da eintritt, wo er bei
vollem Bewusstsein einem gewaltsamen und gewissen Tode entgegengeht, also bei
Hinrichtungen.
Freitag, 3. Juni 2016
Der Zweck unseres Daseins
kann nicht, wie der Optimismus annimmt, der sein, glücklich zu sein, da sich
dem unbefangenen Blick das Leben darstellt wie ganz eigentlich darauf
abgesehen, dass wir uns nicht glücklich darin fühlen sollen. Der Zweck des
Lebens kann auch nicht ganz allein und unmittelbar in den moralischen Tugenden,
also in der Ausübung der Gerechtigkeit und Menschenliebe liegen. Vielmehr ist
der Zweck des Lebens Läuterung, Wendung des Willens, Erlösung von dem
sündhaften, die traurige Beschaffenheit dieser Welt herbei führenden Wollen. Zu
diesem Zweck sind Leiden und Tod wie berechnet. Das Leben ist vom Leiden
unzertrennlich; ein Anstrich von Absichtlichkeit ist hierin nicht zu verkennen.
Das Leiden ist der Läuterungsprozess, durch welchen allein in den meisten
Fällen der Mensch geheiligt, d. h. von dem Irrweg des Willens zum Leben
zurückgeführt wird. In noch höherem Grade kommt dem mehr als alles Leiden
gefürchteten Tode die heiligende Kraft zu. Bei dem naturgemäßen Verlauf kommt
im Alter das Absterben des Leibes dem Absterben des Willens entgegen.
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