Dienstag, 19. Juli 2016


Um die Schande voll zu machen, es ist nicht keinen Monat her, seit man mich dabei ertappte, nicht zu wissen, dass man zum Brotbacken Sauerteig braucht.

Samstag, 2. Juli 2016


Horace or Despréaux said that before you. - I believe it on your word; but I have said it as mine. Am I not able to think something true after them, something that others will think again after me?

Horace ou Despréaux l'a dit avant vous. - Je le crois sur votre parole; mais je l'ai dit comme mien. Ne puis-je pas penser après eux une chose vraie, et que d'autres encore penseront après moi?

Horaz und Despréaux hat das vor dir gesagt. – Ich glaube es dir auf dein Wort, aber ich habe es auf meine Weise gesagt. Kann ich auch nicht nach ihnen etwas Wahres denken, wie es auch andere nach mir denken werden?

Es gibt, wenn ich es sagen darf, untergeordnete und subalterne Geister, die nur gemacht zu sein scheinen, um ein Sammellager, Inhaltsverzeichnis, Stapelplatz der Zeugnisse der grossen Talente zu sein: sie sind Ausschreiber, Übersetzer, Zusammenträger; sie denken nicht, sie sagen, was die andern gedacht haben.
There are, if I dare say it, inferior and subordinate spirits who seem to be made only to collect, register and store all the productions of other geniuses: they are plagiarists, translators and compilers; they do not think at all, they say what authors have thought; and since the ability to distinguish and choose between thoughts requires invention, they do so badly, with little justice, in a way that shows they rather bring many things together than excellent ones; they have nothing original that belongs to them; they only know what they have learned and have only learned what no one wants to know, an arid science, devoid of charm and utility, which is never mentioned in conversation, which is out of use, like a money that has no currency at all: one is at once amazed at what they have read and annoyed or bored by what they say and the works they write. People in power and people who are vulgar confound them with savants, and people who are wise recognize them as pedants.
Il y a des esprits, si je l'ose dire, inférieurs et subalternes, qui ne semblent faits que pour être le recueil, le registre, ou le magasin de toutes les productions des autres génies: ils sont plagiaires, traducteurs, compilateurs; ils ne pensent point, ils disent ce que les auteurs ont pensé; et comme le choix des pensées est invention, ils l'ont mauvais, peu juste, et qui les détermine plutôt à rapporter beaucoup de choses, que d'excellentes choses; ils n'ont rien d'original et qui soit à eux; ils ne savent que ce qu'ils ont appris, et ils n'apprennent que ce que tout le monde veut bien ignorer, une science aride, dénuée d'agrément et d'utilité, qui ne tombe point dans la conversation, qui est hors de commerce, semblable à une monnaie qui n'a point de cours: on est tout à la fois étonné de leur lecture et ennuyé de leur entretien ou de leurs ouvrages. Ce sont ceux que les grands et le vulgaire confondent avec les savants, et que les sages renvoient au pédantisme.   

Donnerstag, 9. Juni 2016


Man sehe das starre Entsetzen, mit welchem ein Todesurteil vernommen wird, das tiefe Grausen, mit welchem wir die Anstalten zu dessen Vollziehung erblicken, und das herzzerreißende Mitleid, welches uns bei dieser selbst ergreift. An solchen Erscheinungen wird sichtbar, dass der Wille zum Leben das Allerrealste, ja, der Kern der Realität selbst ist.

Der Galgen ist ein Ort ganz besonderer Offenbarungen und eine Warte, von welcher aus dem Menschen, der daselbst seine Besinnung behält, die Aussichten in die Ewigkeit sich oft weiter auftun und deutlicher darstellen, als den meisten Philosophen über den Paragraphen ihrer rationalen Psychologie und Theologie. Dies geht aus den uns aufbewahrten, von Verbrechern gehaltenen Galgenpredigten hervor, welche zeigen, welche große und schnelle Umwälzung des innersten Wesens in Menschen da eintritt, wo er bei vollem Bewusstsein einem gewaltsamen und gewissen Tode entgegengeht, also bei Hinrichtungen.

Freitag, 3. Juni 2016


Der Zweck unseres Daseins kann nicht, wie der Optimismus annimmt, der sein, glücklich zu sein, da sich dem unbefangenen Blick das Leben darstellt wie ganz eigentlich darauf abgesehen, dass wir uns nicht glücklich darin fühlen sollen. Der Zweck des Lebens kann auch nicht ganz allein und unmittelbar in den moralischen Tugenden, also in der Ausübung der Gerechtigkeit und Menschenliebe liegen. Vielmehr ist der Zweck des Lebens Läuterung, Wendung des Willens, Erlösung von dem sündhaften, die traurige Beschaffenheit dieser Welt herbei führenden Wollen. Zu diesem Zweck sind Leiden und Tod wie berechnet. Das Leben ist vom Leiden unzertrennlich; ein Anstrich von Absichtlichkeit ist hierin nicht zu verkennen. Das Leiden ist der Läuterungsprozess, durch welchen allein in den meisten Fällen der Mensch geheiligt, d. h. von dem Irrweg des Willens zum Leben zurückgeführt wird. In noch höherem Grade kommt dem mehr als alles Leiden gefürchteten Tode die heiligende Kraft zu. Bei dem naturgemäßen Verlauf kommt im Alter das Absterben des Leibes dem Absterben des Willens entgegen.