Freitag, 16. Februar 2018


6) Das Erhabene und Komische in der Geschlechtsliebe.
Das Verliebtsein eines Menschen liefert oft komische, mitunter auch tragische Phänomene; Beides, weil er, vom Geiste der Gattung in Besitz genommen, jetzt von diesem beherrscht wird und nicht mehr sich selber angehört. Dadurch wird sein Handeln dem Individuum unangemessen. Was, bei den höheren Graden des Verliebtseins, seinen Gedanken einen so poetischen und erhabenen Anstrich, sogar eine transzendente und hyperphysische Richtung gibt, vermöge welcher er seinen eigentlichen, sehr physischen Zweck ganz aus den Augen zu verlieren scheint, ist im Grunde Dieses, dass er jetzt vom Geiste der Gattung, dessen Angelegenheiten unendlich wichtiger, als alle bloß individuellen sind, beseelt ist. Das Gefühl, in Angelegenheiten von so transzendenter Wichtigkeit zu handeln, ist es, was den Verliebten so hoch über alles Irdische, ja über sich selbst emporhebt und seinen sehr physischen Wünschen eine so hyperphysische Einkleidung gibt, dass die Liebe eine poetische Episode sogar im Leben des prosaischsten Menschen wird; in welchem letzteren Falle die Sache bisweilen einen komischen Anstrich gewinnt. — Der Verliebte sucht im Grunde nicht seine Sache, sondern die eines Dritten, der erst entstehen soll; wiewohl ihn der Wahn umfängt, als wäre was er sucht seine Sache. Aber gerade dieses Nicht-seine-Sache-suchen, welches überall der Stempel der Größe ist, gibt auch der leidenschaftlichen Liebe den Anstrich des Erhabenen und macht sie zum würdigen Gegenstande der Dichtung.

Mittwoch, 31. Januar 2018


1) Worauf der Gegensatz zwischen dem Eukolos und Dyskolos beruht.
Wie im Erkennen, so ist auch im Gefühl des Leidens oder Wohlseins ein sehr großer Teil subjektiv und a priori bestimmt. In jedem Individuum ist nämlich das Maß des ihm wesentlichen Frohsinns oder Trübsinns durch seine Natur ein für alle Mal bestimmt, welches Maß sich gleich bleibt, wie sehr auch die äußeren Umstände wechseln mögen. Sein Leiden und Wohlsein ist demnach nicht von außen, sondern eben nur durch jenes Maß, jene Anlage bestimmt, welche zwar durch das physische Befinden einige Ab- und Zunahme zu verschiedenen Zeiten erfahren kann, im Ganzen aber die selbe bleibt und nichts Anderes ist, als was man sein Temperament oder seine Grundstimmung nennt. Auf der ursprünglichen Verschiedenheit dieser beruht der Platonische Gegensatz zwischen dem Eukolos und Dyskolos, d. i. zwischen dem, der leichten und dem, der schweren Sinnes ist.

2) Entgegengesetztes Verhalten des Eukolos und Dyskolos.
Nach gleicher Möglichkeit des glücklichen und des unglücklichen Ausganges einer Angelegenheit wird der Dyskolos beim unglücklichen sich ärgern, oder grämen, beim glücklichen aber sich nicht freuen; der Eukolos hingegen wird über den unglücklichen sich nicht ärgern, noch grämen, aber über den glücklichen sich freuen. Wenn dem Dyskolos von zehn Vorhaben neun gelingen, so freut er sich nicht über diese, sondern ärgert sich über das Eine misslungene; der Eukolos weiß, im umgekehrten Fall, sich doch mit dem Einen gelungenen zu trösten und aufzuheitern. Die Motive, auf welche der Selbstmord erfolgt, sind beim Dyskolos und Eukolos sehr verschieden. Je größer die Dyskolie ist, ein desto geringerer Anlass reicht hin, Lebensüberdruss und Selbstmord herbeizuführen; je größer hingegen die Eukolie ist, desto mehr muss im äußeren Anlass liegen, um zum Selbstmord zu bestimmen, die Schrecken des Todes zu überwinden.

3) Vorzug des Dyskolos vor dem Eukolos.
Wie nicht leicht ein Übel ohne alle Kompensation ist, so ergibt sich auch hier, dass die Dyskoloi, also die finsteren und ängstlichen Charaktere im Ganzen zwar mehr imaginäre, dafür aber weniger reale Unfälle und Leiden zu überstehen haben werden, als die heiteren und sorglosen; denn wer Alles schwarz sieht, stets das Schlimmste befürchtet und demnach seine Vorkehrungen trifft, wird sich nicht so oft verrechnet haben, als wer stets den Dingen die heitere Farbe und Aussicht leiht.

Montag, 8. Januar 2018


People often say: "Even the most beautiful woman in the world can only give what she has"; this is very false: she gives exactly what a person thinks he is receiving, since in this area of life imagination decides the value of what a person receives.  

Man sagt gewöhnlich, die schönste Frau kann nicht mehr geben, als sie hat; das ist ganz falsch. Sie gibt gerade so viel, als man zu empfangen glaubt, denn hier bestimmt die Phantasie den Wert der Gabe.    

On dit communément: « La plus belle femme du monde ne peut donner que ce qu'elle a »; ce qui est très faux: elle donne précisément ce qu'on croit recevoir, puisqu'en ce genre c'est l'imagination qui fait le prix de ce qu'on reçoit. 

What makes interaction with women so piquant is that there is always a large number of things that are implied or silently understood; the same thing that is implied or silently understood between men that is uncomfortable, or at least insipid, is pleasant between a man and a woman.  

Ce qui rend le commerce des femmes si piquant, c'est qu'il y a toujours une foule de sous-entendus, et que les sous-entendus qui, entre hommes, sont gênants, ou du moins insipides, sont agréables d'un homme à une femme. 
Was den Verkehr zwischen Mann und Frau so anregend macht, das sind die zahlreichen Nebengedanken, die zwischen Männern als störend und geschmacklos, zwischen Mann und Weib als angenehm empfunden werden.