Mittwoch, 22. Mai 2019


Farbmischungen

Wie eigen wehmütig wurde ich gestimmt, als ich einen armen Menschen durch die Straßen schleichen sah in einem ziemlich abgetragenen, hellgrünen, ins Gelbe spielenden Frack. Es tat mir leid um ihn; was jedoch den stärksten Eindruck auf mich machte, war, dass die Farbe des Frackes mich so lebendig an die ersten Versuche erinnerte, die ich in meiner frühesten Jugend in der edlen Kunst der Malerei gemacht hatte. Eine meiner Lieblingsfarben war gerade jene Farbe. Ist es nicht traurig? diese Farbenmischungen, an welche ich heute noch mit so großer Freude zurückdenke, nirgends findet man sie mehr. Alle Welt findet sie grell, auffallend, nur noch anwendbar auf Nürnberger Spielwaren. Begegnet man ihnen einmal, alsdann soll jedesmal die Begegnung eine ebenso unerfreuliche sein, wie meine neuliche. Jedesmal soll es ein Irrsinniger, ein Verunglückter, kurz jemand sein, welcher sich fremd im Leben fühlt, und welchen die Welt nicht für voll gelten läßt. Und nun ich, der ich meine Helden immer mit jenem ewig unvergeßlichen hell-grünen Anstriche ihrer Kleidung gemalt habe! - Geht es nicht ebenso mit allen Farbenmischungen in unsrer Kindheit? Der Lichtglanz, den damals unser Leben hatte, wird mit den Jahren für unsre matten Augen zu stark, zu grell!
Mancher Mann ist ein Genie geworden durch ein Mädchen, mancher ein Held durch ein Mädchen, mancher ein Dichter durch ein Mädchen, mancher ein Heiliger durch ein Mädchen; - doch wurde er kein Genie durch das Mädchen, das er bekam – mit ihr wurde er nur Kommerzienrat; wurde er kein Held mit dem Mädchen, das er bekam – durch sie wurde er nur General; wurde er kein Dichter durch das Mädchen, das er bekam – durch sie wurde er nur Vater; wurde er kein Heiliger durch das Mädchen, das er bekam; denn er bekam überhaupt keins, und wollte nur ein einziges haben, und das bekam er nicht, geradeso wie jeder von den anderen ein Genie, Held, Dichter wurde durch das Mädchen, das er nicht bekam.

Samstag, 27. April 2019


Die Zukunft

Was wird geschehen? was wird die Zukunft bringen? Ich weiß nicht; ich ahne nichts. Wenn eine Spinne sich von einem festen Punkte aus in ihre Konsequenzen hinabstürzt, da sieht sie vor sich beständig einen leeren Raum, in welchem sie nirgends Fuß findet, wie sehr sie auch zappeln mag. Geradeso geht es mir. Vorn immer ein leerer Raum; was mich vorwärts treibt, ist eine Konsequenz, deren erster Anstoß hinter mir liegt. Dieses Leben ist ein verkehrtes und schreckliches, nicht zum Aushalten.

Ansicht vom Leben

Meine Ansicht von diesem Leben ist eine völlig sinnlose. Ich nehme an, dass ein böser Geist ein paar Brillen auf meine Nase gesetzt hat, in welchen das eine Glas nach einem ungeheuren Maßstabe vergrößert, während das andre Glas nach eben solchem Maßstabe verkleinert.

Mittwoch, 17. April 2019


Ils ont leurs guerres contre les nations qui sont au delà de leurs montaignes, plus avant en la terre ferme, ausquelles ils vont tous nuds, n’ayant autres armes que des arcs ou des espées de bois, apointées par un bout, à la mode des langues de noz espieuz. C’est chose esmerveillable que de la fermeté de leurs combats, qui ne finissent jamais que par meurtre et effusion de sang ; car, de routes et d’effroy, ils ne sçavent que c’est.

Dienstag, 16. April 2019


Jeder trägt als Siegeszeichen den Kopf des Feindes, den er getötet hat, und hängt ihn am Eingang seiner Wohnung auf.

Chacun raporte pour son trophée la teste de l’ennemy qu’il a tué, et l’attache à l’entrée de son logis. Apres avoir long temps bien traité leurs prisonniers, et de toutes les commoditez dont ils se peuvent aviser, celuy qui en est le maistre, faict une grande assemblée de ses cognoissans : il attache une corde à l’un des bras du prisonnier, par le bout de laquelle il le tient, esloigné de quelques pas, de peur d’en estre offencé, et donne au plus cher de ses amis l’autre bras à tenir de mesme ; et eux deux, en presence de toute l’assemblée, l’assomment à coups d’espée. Cela faict, ils le rostissent et en mangent en commun et en envoient des lopins à ceux de leurs amis qui sont absens. Ce n’est pas, comme on pense, pour s’en nourrir, ainsi que faisoient anciennement les Scythes : c’est pour representer une extreme vengeance.

Et qu’il soit ainsi, ayant apperçeu que les Portuguois, qui s’estoient r’alliez à leurs adversaires, usoient d’une autre sorte de mort contre eux, quand ils les prenoient, qui estoit de les enterrer jusques à la ceinture, et tirer au demeurant du corps force coups de traict, et les pendre apres : ils penserent que ces gens icy de l’autre monde, comme ceux qui avoyent semé la connoissance de beaucoup de vices parmy leur voisinage, et qui estoient beaucoup plus grands maistres qu’eux en toute sorte de malice, ne prenoient pas sans occasion cette sorte de vengeance, et qu’elle devoit estre plus aigre que la leur, commencerent de quitter leur façon ancienne pour suivre cette-cy.

Montag, 8. April 2019


Ich bin nicht ungehalten darüber, dass wir die barbarischen Greuel einer solchen Handlung brandmarken, wohl aber sehr, dass wir, die so gut über ihre Fehler urteilen, für die unsern so blind sind.

Je ne suis pas marry que nous remerquons l’horreur barbaresque qu’il y a en une telle action, mais ouy bien dequoy, jugeans bien de leurs fautes, nous soyons si aveuglez aux nostres. Je pense qu’il y a plus de barbarie à manger un homme vivant qu’à le manger mort, à deschirer, par tourmens et par geénes, un corps encore plein de sentiment, le faire rostir par le menu, le faire mordre et meurtrir aux chiens et aux pourceaux (comme nous l’avons, non seulement leu, mais veu de fresche memoire, non entre des ennemis anciens, mais entre des voisins et concitoyens, et, qui pis est, sous pretexte de pieté et de religion), que de le rostir et manger apres qu’il est trespassé.