Farbmischungen
Wie eigen wehmütig wurde ich gestimmt, als ich
einen armen Menschen durch die Straßen schleichen sah in einem ziemlich
abgetragenen, hellgrünen, ins Gelbe spielenden Frack. Es tat mir leid um ihn;
was jedoch den stärksten Eindruck auf mich machte, war, dass die Farbe des
Frackes mich so lebendig an die ersten Versuche erinnerte, die ich in meiner
frühesten Jugend in der edlen Kunst der Malerei gemacht hatte. Eine meiner
Lieblingsfarben war gerade jene Farbe. Ist es nicht traurig? diese
Farbenmischungen, an welche ich heute noch mit so großer Freude zurückdenke,
nirgends findet man sie mehr. Alle Welt findet sie grell, auffallend, nur noch
anwendbar auf Nürnberger Spielwaren. Begegnet man ihnen einmal, alsdann soll
jedesmal die Begegnung eine ebenso unerfreuliche sein, wie meine neuliche.
Jedesmal soll es ein Irrsinniger, ein Verunglückter, kurz jemand sein, welcher
sich fremd im Leben fühlt, und welchen die Welt nicht für voll gelten läßt. Und
nun ich, der ich meine Helden immer mit jenem ewig unvergeßlichen hell-grünen
Anstriche ihrer Kleidung gemalt habe! - Geht es nicht ebenso mit allen
Farbenmischungen in unsrer Kindheit? Der Lichtglanz, den damals unser Leben
hatte, wird mit den Jahren für unsre matten Augen zu stark, zu grell!