Der wahre Nationalcharakter der Deutschen
ist die Schwerfälligkeit: sie
leuchtet hervor aus ihrem Gange, ihrem Tun und Treiben, ihrer Sprache, ihrem
Reden, Erzählen, Verstehn und Denken, ganz besonders aber aus ihrem Stil im Schreiben, aus dem Vergnügen,
welches sie an langen, schwerfälligen, verstrickten Perioden haben, bei welchen
das Gedächtnis ganz allein, fünf Minuten lang, geduldig die ihm aufgelegte
Lektion lernt, bis zuletzt, am Schluß der Periode, der Verstand zum Schluß kommt
und die Rätsel gelöst werden. Darin gefallen sie sich, und wenn nun noch
Preziosität und Bombast und affektierte semnótes
(Feierlichkeit) anzubringen sind, so schwelgt der Autor darin: Aber der Himmel
gebe dem Leser Geduld.
Sonntag, 7. Juli 2019
Mittwoch, 3. Juli 2019
Zu den Nachteilen, welche die
Universitätsphilosophie der wirklichen und ernstlich gemeinten gebracht hat,
gehört ganz besonders das Verdrängtwerden der Kantischen Philosophie durch die
Windbeuteleien der drei ausposaunten Sophisten: nämlich erst Fichte und dann
Schelling, die beide doch nicht ohne Talent waren, endlich aber gar der plumpe
und ekelhafte Scharlatan Hegel, dieser perniziöse Mensch, der einer ganzen
Generation die Köpfe völlig desorganisiert und verdorben hat.
Montag, 1. Juli 2019
Überall und zu allen Zeiten hat es viel Unzufriedenheit mit den
Regierungen, Gesetzen und öffentlichen Einrichtungen gegeben; großenteils aber
nur, weil man stets bereit ist, diesen das Elend zur Last zu legen, welches dem
menschlichen Dasein selbst unzertrennlich anhängt, indem es, mythisch zu reden,
der Fluch ist, den Adam empfing, und mit ihm sein ganzes Geschlecht. Jedoch nie
ist jene falsche Vorspiegelung auf lügenhaftere und frechere Weise gemacht
worden, als von den Demagogen der „Jetztzeit“. Diese nämlich sind, als Feinde
des Christentums, Optimisten: Die Welt ist ihnen „Selbstzweck“ und daher an
sich selbst, d.h. ihrer natürlichen Beschaffenheit nach, ganz vortrefflich
eingerichtet, ein rechter Wohnplatz der Glückseligkeit. Die nun hiergegen
schreienden, kolossalen Übel der Welt schreiben sie gänzlich den Regierungen
zu: Täten nämlich nur diese ihre Schuldigkeit, so würde der Himmel auf Erden existieren,
d.h. alle würden ohne Mühe und Not vollauf fressen, saufen, sich propagieren
und krepieren können: denn dies ist die Paraphrase ihres „Selbstzwecks“ und das
Ziel des „unendlichen Fortschritts der Menschheit“, den sie in pomphaften
Phrasen unermüdlich verkündigen.
Donnerstag, 20. Juni 2019
Ich
will hier doch nicht unerwähnt lassen, daß der Mensch, welcher, in Folge des
streng und knapp normalen Maaßes seiner intellektuellen Kräfte, keine geistige
Bedürfnisse hat, es eigentlich ist, den ein der deutschen Sprache
ausschließlich eigener, vom Studentenleben ausgegangener, nachmals aber in
einem höheren, wiewohl dem ursprünglichen, durch den Gegensatz zum Musensohne,
immer noch analogen Sinne gebrauchter Ausdruck als den Philister bezeichnet.
Dieser nämlich ist und bleibt der amusische Mensch. Nun würde ich zwar, von
einem höhern Standpunkt aus, die Definition der Philister so aussprechen, daß
sie Leute wären, die immerfort auf das Ernstlichste beschäftigt sind mit einer
Realität, die keine ist. Allein eine solche, schon transscendentale Definition,
würde dem populären Standpunkt, auf welchen ich mich in dieser Abhandlung
gestellt habe, nicht angemessen, daher auch vielleicht nicht durchaus jedem
Leser faßlich seyn. Jene erstere hingegen läßt leichter eine specielle
Erläuterung zu und bezeichnet hinreichend das Wesentliche der Sache, die Wurzel
aller der Eigenschaften, die den Philister charakterisiren. Er ist demnach ein
Mensch ohne geistige Bedürfnisse.
Montag, 10. Juni 2019
Nous avons vu
des hommes réputés honnêtes, des société considérables, applaudir au bonheur de
Mlle..., jeune personne, belle, spirituelle, vertuese, qui obtenait l'avantage
de devenir l'épouse de M..., vieillard malsain, repoussant, malhonnête,
imbécile, mais riche. Si quelque chose caractérise un siècle infâme, c'est un
pareil sujet de triomphe, c'est le ridicule d'une telle joie, c'est ce
renversement de toutes les idées morales et naturelles.
We have seen men
who are reputed honest and of considerable society congratulate the luck of
Mlle ..., a young, beautiful, spiritual, and virtuous person, for succeeding in
becoming the wife of M..., a sickly, repellent, dishonest, imbecilic, but rich
old man. If anything characterizes vile centuries, it is considering such a
thing a triumph, the ridiculousness of such a joy, the inversion of every moral
and natural idea.
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