Dienstag, 19. August 2025

 

Zu gewissen Zeiten möchte ich allerdings einen Ballsaal mit seinem kostbaren Luxus und dem unbezahlbaren Überfluß von Tugend und Schönheit, mit feinem mannigfachen Spiel so vieler Kräfte nicht entbehren; aber ich genieße da nicht so sehr, sondern schwelge mehr nur in der Möglichkeit des Genusses. Da fesselt nicht eine einzelne Schönheit, sondern die Totalität; ein Traumbild schwebt an einem vorüber, in welchem all jene weiblichen Wesen sich durcheinander konfigurieren, und alle diese Bewegungen suchen etwas, sie suchen Ruhe in einem einzigen Bilde, das nicht gesehen wird.

Sonntag, 10. August 2025

 

Es war auf dem Wege, der zwischen dem nördlichen und östlichen Thore liegt. Die Uhr war ungefähr halb sieben. Die Sonne hatte ihre Kraft verloren, nur die Erinnerung an dieselbe leuchtete aus dem milden Abendrot, das die Landschaft purpurn färbte. Die Natur atmete freier. Der See war klar wie ein Spiegel, der Himmel rein, nur hier und da eine leichte Wolke. Kein Blatt rührte sich. – –

 

Sie war es. Mein Auge hat mich nicht betrogen, aber obgleich ich mich so lange auf diese Stunde vorbereitet hatte, konnte ich doch einer gewissen Unruhe nicht Herr werden. Sie war allein, offenbar nicht mit sich selber, sondern mit ihren eignen Gedanken beschäftigt. Sie dachte nicht, aber die Gedanken hatten ein Bild der Sehnsucht vor ihre Seele gezaubert, ahnungsvoll und unerklärlich wie die Seufzer eines jungen Mädchens. Sie war beschäftigt, nicht mit sich selber, sondern in sich selber; und diese innere Arbeit ihrer Seele war ein unendlicher Friede, eine tiefe Ruhe in sich selber. Das ist der Reichtum eines jungen Mädchens, und wenn man diesen Reichtum in sich aufnimmt, wird man selber reich. Sie ist reich, obgleich sie selber nicht weiß, daß sie etwas besitzt; sie ist reich, sie ist ein Schatz. Ein stiller Friede ruhte auf ihr und ein Schatten leiser Wehmut verklärte ihr Gesicht. Sie war leicht wie Psyche, von der es heißt, daß die Genien sie forttrugen, ja noch leichter war sie; denn sie trug sich selber. Mögen die Lehrer der Kirche über die Himmelfahrt der Madonna streiten, mir ist's nicht unbegreiflich, denn sie gehörte der Welt nicht mehr an; aber die Leichtigkeit eines jungen Mädchens ist unbegreiflich. –

Freitag, 1. August 2025

 

Sie bemerkte nichts und glaubte deshalb auch unbemerkt zu sein. Ich ging in einiger Entfernung und verschlang ihr Bild. Langsam ging sie vorwärts, keine eilende Hast störte ihren Frieden oder die Ruhe der Umgebung. Am See saß ein Knabe und fischte; sie blieb stehen, betrachtete den Spiegel des Wassers und den Kork an der Angelschnur. Sie war nicht rasch gegangen, schien aber doch warm geworden zu sein, und löste ein kleines Tuch, das sie unter dem Shawl um den Hals gebunden hatte. Der Knabe war offenbar nicht gerade davon erbaut, daß er beobachtet wurde, und schaute sich mit einem ziemlich phlegmatischen Blick nach ihr um. Der kleine Bursche sah in der That komisch aus, und ich kann's ihr nicht verdenken, daß sie über ihn lachen mußte. Wie kindlich lachte sie! Wäre sie mit dem Knaben allein gewesen, so hätte sie sich – glaube ich – nicht gefürchtet, den Kampf mit ihm aufzunehmen. Ihr Auge war groß und glänzend; wenn man in dasselbe hineinschaute, hatte es einen dunkeln Glanz, der keine unendlichen Tiefen ahnen ließ; es war rein und unschuldig, mild und ruhig, voller Schelmerei, als sie lächelte.

Mittwoch, 23. Juli 2025

Sonntag, 20. Juli 2025

 

La bonne grace est au corps ce que le bon sens est à l'esprit.

 

Elegante Haltung ist für den Körper, was gesunder Menschenverstand für den Geist.

 

 

Grace is to the body what good sense is to the mind.

Samstag, 5. Juli 2025

Donnerstag, 26. Juni 2025

 

Montaigne ist ein Skeptiker, der alles bezweifelt und nichts glaubt. Er ist ein Feind der Vernunft und ein Freund der Einbildungskraft.