Sie war es. Mein Auge hat mich nicht
betrogen, aber obgleich ich mich so lange auf diese Stunde vorbereitet hatte,
konnte ich doch einer gewissen Unruhe nicht Herr werden. Sie war allein,
offenbar nicht mit sich selber, sondern mit ihren eignen Gedanken beschäftigt.
Sie dachte nicht, aber die Gedanken hatten ein Bild der Sehnsucht vor ihre
Seele gezaubert, ahnungsvoll und unerklärlich wie die Seufzer eines jungen
Mädchens. Sie war beschäftigt, nicht mit sich selber, sondern in sich selber;
und diese innere Arbeit ihrer Seele war ein unendlicher Friede, eine tiefe Ruhe
in sich selber. Das ist der Reichtum eines jungen Mädchens, und wenn man diesen
Reichtum in sich aufnimmt, wird man selber reich. Sie ist reich, obgleich sie
selber nicht weiß, daß sie etwas besitzt; sie ist reich, sie ist ein Schatz.
Ein stiller Friede ruhte auf ihr und ein Schatten leiser Wehmut verklärte ihr
Gesicht. Sie war leicht wie Psyche, von der es heißt, daß die Genien sie
forttrugen, ja noch leichter war sie; denn sie trug sich selber. Mögen die
Lehrer der Kirche über die Himmelfahrt der Madonna streiten, mir ist's nicht
unbegreiflich, denn sie gehörte der Welt nicht mehr an; aber die Leichtigkeit
eines jungen Mädchens ist unbegreiflich. –