Daher kommt es, daß wir oft auf Dinge hinarbeiten, welche,
wenn endlich erlangt, uns nicht mehr angemessen sind; wie auch, daß wir mit den
Vorarbeiten zu einem Werke die Jahre hinbringen, welche derweilen unvermerkt
uns die Kräfte zur Ausführung desselben rauben.
Freitag, 27. Juni 2014
So geschieht es denn oft, daß der mit so langer Mühe und
vieler Gefahr erworbene Reichtum uns nicht mehr genießbar ist und wir für
andere gearbeitet haben; oder auch, daß wir den durch vieljähriges Treiben und
Trachten endlich erreichten Posten auszufüllen nicht mehr imstande sind: die
Dinge sind zu spät für uns gekommen. Oder auch umgekehrt, wir kommen zu spät
mit den Dingen; da nämlich, wo es sich um Leistungen, oder Produktionen
handelt: der Geschmack der Zeit hat sich geändert; ein neues Geschlecht ist
herangewachsen, welches an den Sachen keinen Anteil nimmt; andere sind auf
kürzeren Wegen uns zuvorgekommen usf.
Freitag, 20. Juni 2014
Überhaupt aber ergeht es uns im Leben wie dem Wanderer, vor
welchem, indem er vorwärts schreitet, die Gegenstände andere Gestalten
annehmen, als die sie von ferne zeigten, und sich gleichsam verwandeln, indem
er sich nähert. Besonders geht es mit unseren Wünschen so. Oft finden wir etwas
ganz anderes, ja, besseres, als wir suchten; oft auch das Gesuchte selbst auf
einem ganz anderen Wege, als den wir zuerst vergeblich danach eingeschlagen
hatten. Zumal wird uns oft da, wo wir, Genuß, Glück, Freude suchten, statt
ihrer Belehrung, Einsicht, Erkenntnis – ein bleibendes, wahrhaftes Gut, statt
eines vergänglichen und scheinbaren.
Vorzügliche und edle Menschen werden jener Erziehung des
Schicksals bald inne und fügen sich bildsam und dankbar in dieselbe: sie sehn
ein, daß in der Welt wohl Belehrung, aber nicht Glück zu finden sei, werden es
sonach gewohnt und zufrieden, Hoffnungen gegen Einsichten zu vertauschen, und
sagen endlich mit Petrarka:
Ein ander Vergnügen, als das zu lernen, laß ich nicht
gelten.Altro diletto che’mparar, non Provo.
Er kann damit sogar dahin kommen, daß sie ihren Wünschen und
Bestrebungen gewissermaßen nur noch zum Schein und tändelnd nachgehen,
eigentlich aber und im Ernste ihres Innern, bloß Belehrung erwarten; welches
ihnen alsdann einen beschaulichen, genialen, erhabenen Anstrich gibt. – Man
kann in diesem Sinne auch sagen, es gehe uns wie den Alchemisten, welche, indem
sie nur Gold suchten, Schießpulver, Porzellan, Arzneien, ja Naturgesetze
entdeckten.
Donnerstag, 12. Juni 2014
La célébrité est le châtiment du mérite et la
punition du talent. Le mien, quel qu'il soit, ne me paraît qu'un délateur, né
pour toubler mon repos. J'éprouve, en le détruisant, la joie de triompher d'un
ennemi. Le sentiment a triomphé chez moi de l'amour-propre même, et la vanité
littéraire a péri dans la destruction de l'intérêt que je prenais aux
hommes.
Celebrity is the punishment for having merit and
talent. Mine, whatever it was, only seems like an informer who was born to
trouble my repose. When I destroyed it, I felt the joy of triumphing over an
enemy. Feeling has triumphed even over vanity in me, and my literary vanity
perished when I stopped looking for satisfaction from other men.
Donnerstag, 5. Juni 2014
Die Gegenwart allein ist wahr und wirklich: sie
ist die real erfüllte Zeit, und ausschließlich in ihr liegt unser Dasein. Daher
sollten wir sie stets einer heitern Aufnahme würdigen, folglich jede
erträgliche und von unmittelbaren Widerwärtigkeiten oder Schmerzen freie Stunde
mit Bewußtsein als solche genießen, d. h. sie nicht trüben durch verdrießliche
Gesichter über verfehlte Hoffnungen in der Vergangenheit, oder Besorgnisse für
die Zukunft.
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