Dienstag, 28. Mai 2019
Mittwoch, 22. Mai 2019
Roman und Leben
Mut habe ich zum Zweifeln, wie ich glaube, an
allem; ich habe Mut, zu kämpfen, wie ich glaube, gegen alles und jedes; aber
ich habe nicht den Mut, etwas zu erkennen, nicht den Mut, es zu besitzen, als
mein eigen. Die meisten Menschen klagen darüber, dass die Welt so prosaisch
sei, dass es im Leben nicht so zugehe, wie im Roman, wo die Gelegenheit immer
so günstig sei. Ich klage darüber, dass es im Leben nicht ist, wie im Roman, wo
man hartherzige Väter, Kobolde und Zauberer zu bekämpfen, verzauberte
Prinzessinen zu befreien hat. Was sind doch alle diese Feinde zusammengenommen
gegen die bleichen, blutlosen, lebenszähen, nächtlichen Scheinen, mit denen ich
kämpfe, und die ich selbst ins Leben rufe!
Farbmischungen
Wie eigen wehmütig wurde ich gestimmt, als ich
einen armen Menschen durch die Straßen schleichen sah in einem ziemlich
abgetragenen, hellgrünen, ins Gelbe spielenden Frack. Es tat mir leid um ihn;
was jedoch den stärksten Eindruck auf mich machte, war, dass die Farbe des
Frackes mich so lebendig an die ersten Versuche erinnerte, die ich in meiner
frühesten Jugend in der edlen Kunst der Malerei gemacht hatte. Eine meiner
Lieblingsfarben war gerade jene Farbe. Ist es nicht traurig? diese
Farbenmischungen, an welche ich heute noch mit so großer Freude zurückdenke,
nirgends findet man sie mehr. Alle Welt findet sie grell, auffallend, nur noch
anwendbar auf Nürnberger Spielwaren. Begegnet man ihnen einmal, alsdann soll
jedesmal die Begegnung eine ebenso unerfreuliche sein, wie meine neuliche.
Jedesmal soll es ein Irrsinniger, ein Verunglückter, kurz jemand sein, welcher
sich fremd im Leben fühlt, und welchen die Welt nicht für voll gelten läßt. Und
nun ich, der ich meine Helden immer mit jenem ewig unvergeßlichen hell-grünen
Anstriche ihrer Kleidung gemalt habe! - Geht es nicht ebenso mit allen
Farbenmischungen in unsrer Kindheit? Der Lichtglanz, den damals unser Leben
hatte, wird mit den Jahren für unsre matten Augen zu stark, zu grell!
Mancher Mann ist ein Genie geworden durch ein
Mädchen, mancher ein Held durch ein Mädchen, mancher ein Dichter durch ein
Mädchen, mancher ein Heiliger durch ein Mädchen; - doch wurde er kein Genie
durch das Mädchen, das er bekam – mit ihr wurde er nur Kommerzienrat; wurde er
kein Held mit dem Mädchen, das er bekam – durch sie wurde er nur General; wurde
er kein Dichter durch das Mädchen, das er bekam – durch sie wurde er nur Vater;
wurde er kein Heiliger durch das Mädchen, das er bekam; denn er bekam überhaupt
keins, und wollte nur ein einziges haben, und das bekam er nicht, geradeso wie
jeder von den anderen ein Genie, Held, Dichter wurde durch das Mädchen, das er
nicht bekam.
Samstag, 27. April 2019
Die Zukunft
Was wird geschehen? was wird die Zukunft bringen?
Ich weiß nicht; ich ahne nichts. Wenn eine Spinne sich von einem festen Punkte
aus in ihre Konsequenzen hinabstürzt, da sieht sie vor sich beständig einen
leeren Raum, in welchem sie nirgends Fuß findet, wie sehr sie auch zappeln mag.
Geradeso geht es mir. Vorn immer ein leerer Raum; was mich vorwärts treibt, ist
eine Konsequenz, deren erster Anstoß hinter mir liegt. Dieses Leben ist ein
verkehrtes und schreckliches, nicht zum Aushalten.
Mittwoch, 17. April 2019
Ils ont leurs guerres contre les nations qui
sont au delà de leurs montaignes, plus avant en la terre ferme, ausquelles ils
vont tous nuds, n’ayant autres armes que des arcs ou des espées de bois,
apointées par un bout, à la mode des langues de noz espieuz. C’est chose esmerveillable
que de la fermeté de leurs combats, qui ne finissent jamais que par meurtre et
effusion de sang ; car, de routes et d’effroy, ils ne sçavent que c’est.
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