Dienstag, 30. August 2022

Das Ende der Heiterkeit. - Ihr schreibt den Verlust der Heiterkeit dem Verfall der Sitten zu, ich möchte ihn eher der erstaunlichen Vermehrung unserer Kenntnisse zuschreiben. Wir sind durch unsere Aufklärung eher arm als reich geworden, wir wissen, dass eine Unmenge Dinge,  die unsere Väter für wahr ansahen, falsch sind, und wir wissen sehr wenig wahre, die sie nicht wussten. Diese Leere ist in unserer Seele und in unserer Phantasie geblieben, sie ist, glaube ich, der wahre Grund unserer Traurigkeit. 

Untergang der Reiche. - Sie sprechen vom Untergang der Reiche. Was wollen Sie damit sagen? Die Reiche sind weder oben noch unten noch können sie stürzen. Sie verändern ihre Physiognomie, aber man spricht immer von Einsturz und Untergang, und diese Worte fördern das Spiel der Täuschung und des Irrtums. Wenn man von Phasen der Reiche spräche, so wäre das richtiger. Das Menschengeschlecht gleicht dem Mond, aber es zeigt uns bald diese, bald jene Seite, weil wir nicht immer so stehen, dass wir es ganz überblicken können. Es gibt Reiche, die nur schön sind in der Phase des Untergangs wie das französische, andere, die nur im Zustand der Fäulnis gut sind wie das der Türken. Manche glänzen nur im ersten Viertel wie das der Jesuiten; ein einziges war schön bei Vollmond: das des Papstes.  

Freitag, 26. August 2022

There are men for whom  esprit (that intrument that can be applied to everything) is only a talent by which they seem to be dominated, that they don't govern and which is not at all ordered by their reason.

Il y a des hommes chez qui l'esprit (cet instrument applicable à tout) n'est qu'un talent par lequel ils semblent dominés, qu'ils ne gouvernent pas, et qui n'est point aux ordres de leur raison.

Es gibt Menschen, deren Geist, dieses Werkzeug, das sich auf alles anwenden lässt, nur eine Begabung ist, durch die sie zu herrschen scheinen, die sie aber nicht beherrschen und die ihrer Vernunft nicht gehorcht.

Montag, 22. August 2022

If a person examined with care all of the rare qualities of spirit and soul that are necessary to judge, feel and appreciate good verses; the tact, the delicacy of organs, of ear and of intelligence, etc., he would be convinced that despite the pretentions of all classes of society for judging the charm of works, poets have even fewer true judges than geometers. Poets who count the public for nothing and only work for connoisseurs would do with their works what the famous mathematician Viete did with his in an age when the study of mathematics was less widespread than today. He only made a few copies and distributed them to people who could understand and enjoy them, or be helped by them. As for others, he didn't think about them. But Viete was rich and most poets are poor. Then a geometer has perhaps less vanity than a poet; or if he has as much, he can calculate the extent of it better.


Si l'on examinait avec soin l'assemblage de qualités rares de l'esprit et de l'âme qu'il faut pour juger, sentir et apprécier les bons vers; le tact, la délicatesse des organes, de l'oreille et de l'intelligence, etc., on se convaincrait que malgré les prétentions de toutes les classes de la société, à juger les ouvrages d'agrément, les poètes ont dans le fait encore moins de vrais juges que les géomètres. Alors les poètes, comptant le public pour rien, et ne s'occupant que des connaisseurs, feraient à l'égard de leurs ouvrages ce que le fameux mathématicien Viete faisait à l'égard des siens dans un temps où l'étude des mathématiques était moins répandue qu'aujourd'hui. Il n'en tirait qu'un petit nombre d'exemplaires qu'il faisait distribuer à ceux qui pouvaient l'entendre et jouir de son livre ou s'en aider. Quant aux autres, il n'y pensait pas. Mais Viete était riche, et la plupart des poètes sont pauvres. Puis un géomètre a peut-être moins de vanité qu'un poète; ou s'il en a autant, il doit la calculer mieux.


Montag, 15. August 2022

People have observed that writers of physics, natural history, physiology, or chemistry were usually very tranquil, regular, and generally happy men; and that on the contrary, writers of politics, legislation, and even of morality were of a sad humor, melancholic, etc. Nothing is simpler: the first study nature, the second society: the first contemplate the work of a great being, the second limit their sight to the work of men. The results must be different. 

On a observé que les écrivains en physique, histoire naturelle, physiologie, chimie, étaient ordinairement des hommes d'un caractère doux, égal, et en général heureux; qu'au contraire les écrivains de politique, de législation, même de morale, étaient d'une humeur triste, mélancolique, etc. Rien de plus simple: les uns étudient la nature, les autres la société: les uns contemplent l'ouvrage du grand Être; les autres arrêtent leurs regards sur l'ouvrage de l'homme. Les résultats doivent être différents.

Mittwoch, 27. Juli 2022

 

In der Welt rufen und schreien

Es gehört doch eine große Naivität dazu, um zu glauben, es solle helfen, in der Welt zu rufen und zu schreien, als ob hierdurch jemandes Schicksal geändert würde. Man nehme es, wie es geboten wird, und stehe ab von allen Weitläufigkeiten. Kam ich als junger Mann in eine Restauration, so sagte ich auch, wie andre, zum Kellner: »Ein gutes Stück, ein recht gutes Stück, vom Rücken, nicht zu fett.« Der Kellner hörte vielleicht gar nicht meinen Rat, geschweige dass er ihn berücksichtigen sollte, geschweige dass meine Stimme bis in die Küche hineinbringen, den Vorschneider rühren sollte; und selbst, wenn alles dieses geschah, so war vielleicht an dem ganzen Braten kein gutes Stück. Jetzt rufe ich nicht mehr.