Mittwoch, 26. März 2025

 

On dit et on répète, après avoir lu quelque ouvrage qui respire la vertu: « C'est dommage que les auteurs ne se peignent pas dans leurs écrits, et qu'on ne puisse pas conclure d'un pareil ouvrage que l'auteur est ce qu'il paraît être. » Il est vrai que beaucoup d'exemples autorisent cette pensée; mais j'ai remarquée qu'on fait souvent cette réflexion pour se dispenser d'honorer les vertus dont on trouve l'image dans les écrits d'un honnête homme.    

A person says and says again after having read a work that breathes virtue: "It's too bad that authors do not paint themselves in their works, and that a person cannot conclude from such a work that the author is what he seems to be." It is true that very many examples authorize this thought; but I've noticed that people often make this reflection in order not to have to honor the virtues whose images are found in the writings of an honest man. 

Mittwoch, 12. März 2025

Dienstag, 4. März 2025

 

What is a man of letters who is not elevated by his character, by the merit of his friends and by a little leisure? If he lacks this last advantage to the point that he can't live decently in the society that his merit calls him to, what need does he have of society? Isn't he obliged then to choose a solitude in which he can cultivate his soul, his character and his reason in peace? Is it necessary for him to carry the weight of society without collecting any of the advantages that it gives to other types of citizens? A man of letters who is forced into going alone will find the happiness there that he has sought elsewhere in vain. It is such a person who can say that by having been refused everything, he has been given everything. On how many occasions can't a person repeat the phrase of Themistocles: "Alas! We would have perished if we hadn't perished!" 

 

… Mehr als ein Schriftsteller hat durch den Entschluss zur Einsamkeit das Glück gefunden, das er sonst vergeblich gesucht hätte. Er kann von sich sagen, dass man ihm alles gab, indem man ihm alles nahm. Wie oft kann er nicht das Wort des Themistokles wiederholen: „Ach, ich würde zugrunde gehen, wenn ich nicht schon zugrunde gegangen wäre.“

 

Qu'est-ce que c'est qu'un homme de lettres qui n'est pas rehaussé par son caractère, par le mérite de ses amis, et par un peu d'aisance? Si ce dernier avantage lui manque au point qu'il soit hors d'état de vivre convenablement dans la société où son mérite l'appelle, qu'a-t-il besoin du monde? Son seul parti n'est-il pas de se choisir une retraite où il puisse cultiver en paix son âme, son caractère et sa raison? Faut-il qu'il porte le poids de la société, sans recueillir un seul des avantages qu'elle procure aux autres classes de citoyens? Plus d'un homme de lettres, forcé de prendre ce parti, y a trouvé le bonheur qu'il eût cherché ailleurs vainement. C'est celui-là qui peut dire qu'en lui refusant tout on lui a tout donné. Dans combien d'occasions ne peut-on pas répéter le mot de Thémistocle: « Hélas! nous périssions si nous n'eussions péri! »    

Samstag, 22. Februar 2025

 

»Also Montag um eins in der Ausstellung.« Sehr wohl, ich werde die Ehre haben, mich kurz vor 1 Uhr einzufinden. Ein kleines Rendezvous. Am Sonnabend entschloß ich mich, meinem abgereisten Freunde Adolf Brunn einen Besuch zu machen. Gegen 6 Uhr abends ging ich nach der Westergade, wo er, wie man mir gesagt hatte, wohnen sollte. Er war indessen nicht zu finden, selbst nicht in der dritten Etage. Aber als ich die Treppe wieder hinuntergehe, höre ich eine melodische, weibliche Stimme halblaut sagen: »Also Montag um eins in der Ausstellung; dann sind die andern aus, aber du weißt, daß ich dich zu Hause nicht sehen darf.« Die Einladung galt nicht mir, sondern einem jungen Menschen, der sich so rasch aus dem Staube machte, daß weder meine Blicke noch meine Schritte ihn verfolgen konnten. Weshalb war doch kein Gas auf den Korridoren? dann hätte ich vielleicht gesehen, ob es der Mühe wert gewesen wäre, so präzis zu erscheinen. Doch nein, hätte auf den Korridoren Gas gebrannt, dann würde ich sehr wahrscheinlich nichts gehört haben.

Das Bestehende ist das Vernünftige, ich bin und bleibe Optimist... Wer ist es nun? In der Ausstellung fehlt es nicht an jungen Mädchen. Es ist zehn Minuten vor eins! Meine schöne Unbekannte! möchte Ihr Zukünftiger immer so präzis wie ich sein, oder wünschen Sie vielleicht, er möchte nicht zu früh kommen? Wie Sie wollen, ich stehe zu Diensten. »Reizende Zauberin, Fee oder Hexe, laß deinen Nebel verschwinden,« offenbare dich, du bist vermutlich schon gegenwärtig, aber unsichtbar für mich, verrate dich, denn nur dann werde ich auf eine Offenbarung hoffen dürfen. Sollten noch andre hier oben sein, die derselbe Wunsch hergeführt hat? Wohl möglich. Wer kennt die Wege eines Menschen, selbst wenn er die Ausstellung besucht. – – Da kommt ein junges Mädchen, sie eilt schneller noch als das böse Gewissen hinter dem Sünder. Sie vergißt das Billet abzugeben; der Portier hält sie auf. Um alles in der Welt, welche Eile! Das muß sie sein. Nur nicht zu heftig, es ist noch nicht eins. Vergessen Sie doch nicht, daß Sie dem Geliebten entgegengehen. Da ist's nicht ganz einerlei, wie man aussieht. Wenn solch junges, unschuldiges Blut zu einem Rendezvous kommt, dann ist sie wie wahnsinnig. Ich dagegen sitze ganz gemütlich auf meinem Stuhl und betrachte eine herrliche Landschaft... Ein Teufelsmädchen, sie stürmt durch alle Zimmer. – – –

 

Ein Rendezvous wird von den Liebenden gewöhnlich als der schönste Augenblick angesehen. Ich selber erinnere mich dessen noch so deutlich, als wär's gestern gewesen, wie ich zum erstenmal nach dem verabredeten Orte eilte, wie war mein Herz so reich in Gedanken an die unbekannte Freude, die meiner wartete, wie ich zum erstenmal drei Schläge mit der Hand machte, zum erstenmal das Fenster sich öffnete, das Gartenpförtchen von der unsichtbaren Hand eines Mädchens geöffnet wurde – zum erstenmal in der hellen Sommernacht sich ein liebes Mädchen unter meinem Mantel verbarg. Doch ist dieses Urteil nicht ohne alle Illusion. Ein Unparteiischer findet nicht immer, daß die Liebenden in diesem Moment am schönsten sind. Ich habe Rendezvous beobachtet, deren Total-Eindruck fast unangenehm berührte, obgleich sie reizend und er schön war. Wer hier häufiger Erfahrungen gemacht hat, wird dadurch gewissermaßen reicher; wohl verliert man dann die süße Unruhe der ungeduldigen Sehnsucht, aber durch die innere Ruhe wird der Augenblick wirklich schön. Ich kann mich ärgern, wenn ein junger Mann bei einer solchen Gelegenheit so verwirrt wird, daß er aus reiner Liebe ein delirium tremens bekommt. Was verstehen Bauern von Gurkensalat? Statt mit aller Ruhe ihre Unruhe zu genießen, und dadurch ihre Schönheit in glühenderem Lichte zu sehen, macht er eine unschöne Konfusion, und kehrt doch vergnügt nach Hause zurück, bildet sich ein, es sei herrlich gewesen. – – –

Sonntag, 16. Februar 2025