Freitag, 27. Februar 2026

Mittwoch, 25. Februar 2026

 

Noch hat sie mich nicht gesehen; ich stehe an der andern Seite des Ladentisches. An der entgegengesetzten Wand hängt ein Spiegel. Sie weiß es nicht, aber der Spiegel weiß es. O, der unglückliche Spiegel, er kann ihr Bild, aber nicht sie selber auffangen. Unglücklicher Spiegel, er kann ihr Bild nicht in sich aufnehmen und es vor der ganzen Welt verbergen, er muß es andern verraten, so jetzt mir. Welche Qual, wenn ein Mensch so gebildet wäre! Und doch wie viele Menschen gibt's, die nichts besitzen, es sei denn in dem Augenblick, da sie es andern zeigen...

 

Wie ist sie doch schön! Armer Spiegel, das muß eine Qual sein. Gut, daß du keine Eifersucht kennst. Ihre Haare sind dunkel, ihr Teint durchsichtig, wie Samt anzufassen, ich kann's mit meinen Augen fühlen. Ihre Augen – nein, die habe ich noch nicht gesehen, sie sind von den langen Wimpern ganz bedeckt. Und ihr Kopf – ein Madonnenkopf, so rein und unschuldig; er beugt sich etwas, aber nicht im Anschauen des Einen; der Ausdruck ihres Gesichtes wechselt. Was sie betrachtet, ist das Mannigfaltige, das im Glanze irdischer Pracht und Herrlichkeit vor ihr ausgebreitet liegt. Sie zieht einen Handschuh aus und zeigt dem Spiegel – aber auch mir – eine Hand so weiß und wohlgebildet, als wäre es eine Antike, ohne jeden Schmuck, auch ohne den verräterischen Ring am vierten Finger – bravo! – Sie schlägt ihr Auge auf, wie verändert das alles und bleibt doch dasselbe: die Stirn weniger hoch, das Gesicht nicht so ganz oval wie es zuvor schien, aber lebhafter.

 

Sie spricht mit dem Kommis, sie ist munter und spricht gern. Sie hat schon zwei, drei Waren gewählt, nimmt eine vierte, hält sie in ihrer Hand, sieht sie an, fragt nach dem Preise und legt sie unter ihren Handschuh. Gewiß ist's für... den Geliebten – aber sie ist ja nicht verlobt. Ach, wie viele sind nicht verlobt und haben doch einen Geliebten, wie viele sind verlobt und haben doch keinen Geliebten... Nun will sie bezahlen, aber sie hat ihr Portemonnaie vergessen..., sie nennt vermutlich ihre Adresse; ich will sie nicht hören, ich treffe sie im Leben wohl noch wieder, und – – beim Himmel, sie wird sich der Situation erinnern. Nur nicht ungeduldig! Es muß alles in langsamen Zügen genossen werden.

Samstag, 14. Februar 2026

Dienstag, 10. Februar 2026

 

Das mag ich leiden: abends allein in der Östergade. Ja, ich sehe den Diener, der Ihnen folgt; nein, so schlecht denke ich nicht von Ihnen, daß ich glauben könnte, Sie möchten ganz allein gehen. Aber warum so rasch? Nicht wahr? man hat doch etwas Angst und das Herz klopft, nicht weil die Sehnsucht nach Hause so groß ist, sondern in der ungeduldigen Furcht, die mit ihrer süßen Unruhe den ganzen Leib durchschauert, daher der schnelle Takt der Füße. – Aber es ist doch prächtig, unbezahlbar, so allein zu gehen – den Diener hinter sich her... Unverdrossen geht sie vorwärts. Hüten Sie sich; da kommt ein Mensch, lassen Sie den Schleier nieder, damit sein profaner Blick Sie nicht beleidigt. – Sie bemerken es nicht, aber ich sehe es, daß er die Situation überschaut. –

 

Ja, da sehen Sie es nun, was für Folgen es haben kann, wenn man allein mit dem Diener geht. Der Diener ist gefallen. Das ist im Grunde lächerlich, aber was wollen Sie nun machen? Umkehren und ihm wieder auf die Beine helfen, nein, das ist unmöglich, und mit einem Diener gehen, dessen Rock so schmutzig geworden ist? Wie unangenehm. Und ganz allein gehen? Das ist bedenklich. Hüten Sie sich, das Scheusal nähert sich... Sie antworten mir nicht, sehen mich nur an. Fürchten Sie sich vor mir? Ich mache gar keinen Eindruck auf Sie, ich sehe wie ein gutmütiger Mensch aus einer ganz andern Welt aus. Meine Verlegenheit, in der ich Sie nicht anzusehen wage, macht Sie sicher; Sie könnten fast versucht sein, sich über mich lustig zu machen. Tausend gegen eins, in diesem Augenblick hätten Sie die Kourage, mich unter den Arm zu nehmen, wenn es Ihnen selber einfiele ...

 

Also in der Stormgade wohnen Sie. Sie verneigen sich kalt und flüchtig vor mir. Habe ich das verdient, da ich Ihnen aus der unangenehmen Situation heraushalf? Es verdrießt Sie, Sie kehren zurück, danken mir für meine Freundlichkeit, reichen mir die Hand – warum werden Sie plötzlich so bleich? Ist meine Stimme nicht unverändert, meine Haltung dieselbe, mein Blick ebenso ruhig und unbefangen? Aber dieser Druck der Hand? Kann denn der etwas bedeuten? Ja, viel, mein kleines Fräulein, sehr viel; innerhalb der nächsten vierzehn Tage werde ich Ihnen alles erklären, aber so lange wird der Widerspruch Sie quälen: ich bin ein gutmütiger Mensch, der als ein Ritter ohne Furcht und Tadel einem jungen Mädchen zu Hilfe kommt, und doch – kann ich Ihre Hand in einer nichts weniger als gutmütigen Weise drücken. –

Samstag, 31. Januar 2026

Mittwoch, 28. Januar 2026

 

Il est difficile de définir l'amour; ce qu'on en peut dire est que, dans l ame, c'est une passion de régner; dans les esprits, c'est une sympathie; et dans le corps, ce n'est qu'une envie cachée et délicate de posséder ce que l'on aime, après beaucoup de mystères.