Sonntag, 9. August 2015

Genie. - Das Wesen des Genies besteht in der Fähigkeit zu jener ganz im Objekt aufgehenden reinen Kontemplation, durch welche die Ideen der Dinge aufgefasst werden. Da nun diese ein gänzliches Vergessen der eigenen Person und ihrer Beziehungen verlangt; so ist Genialität nichts Anderes, als die vollkommenste Objektivität, d. h. objektive Richtung des Geistes, entgegengesetzt der subjektiven, auf die eigene Person, d. i. den Willen, gehenden. Demnach ist Genialität die Fähigkeit, sich rein anschauend zu verhalten, sich in die Anschauung zu verlieren und die Erkenntnis, welche ursprünglich nur zum Dienste des Willens da ist, diesem Dienste zu entziehen, sonach seiner Persönlichkeit sich auf eine Zeit völlig zu entäußern, um als rein erkennendes Subjekt, klares Weltauge übrig zu bleiben; und dieses nicht auf Augenblicke, sondern so anhaltend und mit so viel Besonnenheit, als nötig ist, um das Aufgefasste durch überlegte Kunst zu wiederholen. Damit der Genius in einem Individuum hervortrete, muss diesem ein Maß der Erkenntniskraft zugefallen sein, welches das zum Dienste eines individuellen Willens erforderliche weit übersteigt, welcher frei gewordene Überschuss der Erkenntnis jetzt zum willensreinen Subjekt, zum hellen Spiegel des Wesens der Welt wird.

Im Genie erreicht der freie und daher abnorme Gebrauch des Intellekts den Grad, wo das Erkennen zur Hauptsache, zum Zweck des ganzen Lebens wird, das eigene Dasein hingegen zur Nebensache, zum bloßen Mittel herabsinkt, also das normale Verhältnis sich gänzlich umkehrt. Demnach lebt das Genie im Ganzen genommen mehr in der übrigen Welt mittelst der erkennenden Auffassung derselben, als in seiner eigenen Person. Ihm benimmt die ganz abnorme Erhöhung der Erkenntniskräfte die Möglichkeit, seine Zeit durch das bloße Dasein und dessen Zwecke auszufüllen; sein Geist bedarf beständiger und starker Beschäftigung.

Die Ähnlichkeit, welche zwischen dem Genie und dem Kindesalter Statt findet, beruht auf dem Beiden eigentümlichen Überschuss der Erkenntniskräfte über die Bedürfnisse des Willens und dem daraus entspringenden Vorwalten der bloß erkennenden Tätigkeit. Wirklich ist jedes Kind gewissermaßen ein Genie, und jedes Genie gewissermaßen ein Kind. Die Verwandtschaft Beider zeigt sich zunächst in der Naivität und erhabenen Einfalt, welche ein Grundzug des echten Genies ist; sie tritt außerdem in manchen Zügen an den Tag, so dass eine gewisse Kindlichkeit allerdings zum Charakter des Genies gehört. Jedes Genie ist schon darum ein großes Kind, weil es in die Welt hineinschaut als in ein Fremdes, ein Schauspiel, daher mit objektivem Interesse. Jenes dem Kindesalter natürliche Überwiegen des sensiblen Systems und der erkennenden Tätigkeit erhält sich beim Genie, abnormer Weise, das ganze Leben hindurch, wird also hier ein perennierendes.

Donnerstag, 23. Juli 2015


Les femmes ont des fantaisies, des engouements, quelquefois des goûts. Elles peuvent même s'élever jusqu'aux passions: ce dont elles sont le moins susceptibles, c'est l'attachement. Elles sont faites pour commercer avec nos faiblesses, avec notre folie, mais non avec notre raison. Il existe entre elles et les hommes des sympathies d'épiderme, et très peu de sympathies d'esprit, d'âme et de caractère. C'est ce qui est prouvé par le peu de cas qu'elles dont d'un homme de 40 ans. Je dis, même celles qui sont à peu près de cet âge. Observez que, quand elles lui accordent une préférence, c'est toujours d'après quelques vue malhonnêtes, d'après un calcul d'intérêt ou de vanité, et alors l'exception prouve la règle, et même plus que la règle. Ajoutons que ce n'est pas ici le cas de l'axiome: Qui prouve trop ne prouve rien.     

Women have fantasies, infatuations and sometimes tastes. They can even elevate themselves to passions: they are least susceptible to bonds. They indulge mens weaknesses and follies, but not their reason. They and men have sympathy between their epidermises, and very litte sympathy between their esprit, soul, and character. This is proved by how little attention women give to a man who is 40 years old, even women who are close to this age. Observe that when they show preference for such a man, it's always because of some dishonest design, for calculated self-interest or vanity, and then the exception proves the rule and even more than the rule. This is not the place for the axiom: Who proves too much proves nothing.  

Dienstag, 14. Juli 2015


Kunst. - Nicht bloß die Philosophie, sondern auch die schönen Künste arbeiten im Grunde darauf hin, das Problem des Daseins zu lösen. Denn das wahre Wesen der Dinge, des Lebens, des Daseins hat allein Interesse für den von den Zwecken des Willens frei gewordenen Intellekt. Deshalb ist das Ergebnis jeder rein objektiven, also auch jeder künstlerischen Auffassung der Dinge ein Ausdruck mehr vom Wesen des Lebens und Daseins, eine Antwort mehr auf die Frage: „Was ist das Leben?“ Aber die Künste reden nur die naive und kindliche Sprache der Anschauung, nicht die abstrakte und ernste der Reflexion; ihre Antwort ist daher ein flüchtiges Bild, nicht eine bleibende allgemeine Erkenntnis. Sie gewähren immer nur ein Fragment, ein Beispiel, statt der Regel, nicht das Ganze, als welches nur in der Allgemeinheit des Begriffes gegeben werden kann. Für diesen daher, also für die Reflexion und in abstrakto, eine eben deshalb bleibende und auf immer genügende Beantwortung jener Frage zu geben, — ist die Aufgabe der Philosophie. In den Werken der darstellenden Künste ist zwar alle Weisheit enthalten, jedoch nur virtualiter oder implicite; hingegen dieselbe actualiter und explicite zu liefern ist die Philosophie bemüht, welche in diesem Sinne sich zu jenen verhält, wie der Wein zu den Trauben.

Mittwoch, 1. Juli 2015


Society, which makes very many men smaller, reduces women to nothing.  

La société, qui rapetisse beaucoup les hommes, réduit les femmes à rien. 

In der Gesellschaft werden die meisten Männer klein, von den Frauen bleibt fast nichts übrig.
Women who belong to the dividing line between the classes, who have a hope or mania for becoming something in society, have neither the happiness that comes from nature, nor that which comes from opinion; they are the unhappiest creatures that I know.