Der H** G** reicht bis unmittelbar an das Nichts heran. Viele andere
Werke gleichen ihm darin. Es gehört ebensoviel Erfindungsgabe dazu, sich durch
ein dummes Buch zu bereichern, als Dummheit, es zu kaufen: es hiesse, den
Geschmack des Volkes zu verkennen, wollte man bisweilen nicht grosse
Plattheiten wagen.
Mittwoch, 2. September 2015
Samstag, 29. August 2015
Marot et Rabelais sont inexcusables d'avoir semé l'ordure dans leurs
écrits: tous deux avaient assez de génie et de naturel pour pouvoir s'en
passer, même à l'égard de ceux qui cherchent moins à admirer qu'à rire dans un
auteur. Rabelais surtout est incompréhensible: son livre est une énigme, quoi
qu'on veuille dire, inexplicable; c'est une chimère, c'est le visage d'une
belle femme avec des pieds et une queue de serpent, ou de quelque autre bête
plus difforme; c'est un monstrueux assemblage d'une morale fine et ingénieuse,
et d'une sale corruption. Où il est mauvais, il passe bien loin au delà du pire,
c'est le charme de la canaille; où il est bon, il va jusques à l'exquis et à
l'excellent, il peut être le mets des plus délicats.
Marot and Rabelais are
inexcusable for having mixed trash into their works: both had enough genius and
natural power to be able to do without it, even among readers who look
more to laugh at than admire an author. Rabelais above all is incomprehensible:
his book is an enigma, whatever people say, it is inexplicable; it's
a chimera, it's the face of a beautiful woman with the feet and tail of a
serpent, or of some other misshapen beast; it's a monstrous assemblage of
subtle and ingenious morality and of foul corruption. When it is bad, it passes
far beyond the worst things, it's the charm of the canaille; when it is good,
it is exquisite and excellent, it can be enjoyed by the most delicate tastes.
Marot und Rabelais sind unentschuldbar, weil sie den Unflat in ihre
Schriften gebracht haben. … Rabelais vor allem ist unbegreiflich: sein Buch ist
ein unerklärliches Rätsel, was man auch sagen mag, es ist eine Chimäre mit dem
Gesichte einer schönen Frau und dem Schwanz einer Schlange oder irgendeines
anderen noch ungestalteren Wesens; es
ist ein scheussliches Gemisch aus einer feinen, erfinderischen Moral und einer
unsauberen Verdorbenheit. Wo es schlecht ist, lässt es das Schlimmste weit
unter sich und wird das Entzücken des rohsten Pöbels: wo es gut ist, reicht es
bis zum Ausgewähltesten und Ausgezeichnetsten heran, eine Speise für die
Anspruchsvollsten.
Donnerstag, 20. August 2015
9. Sich selber genügen, sich selber alles in allem sein, und
sagen können: omnia mea mecum porto, alles meinige trage ich mit mir, ist gewiß
für unser Glück die förderlichste Eigenschaft: daher der Ausspruch des
Aristoteles: Den Selbstgenügsamen gehört das Glück; – nicht zu oft wiederholt
werden kann. (Auch ist es im Wesentlichen derselbe Gedanke, den in einer
überaus artigen Wendung die Sentenz Chamforts ausdrückt, welche ich dieser
Abhandlung als Motto vorgesetzt habe.) Denn teils darf man, mit einiger
Sicherheit, auf niemand zählen, als auf sich selbst, und teils sind die
Beschwerden und Nachteile, die Gefahr und der Verdruß, welche die Gesellschaft
mit sich führt, unzählig und unausweichbar.
Kein verkehrterer Weg zum Glück, als das Leben in der großen
Welt, in Saus und Braus: denn es bezweckt, unser elendes Dasein in eine
Succession von Freude, Genuß, Vergnügen zu verwandeln, wobei die Enttäuschung
nicht ausbleiben kann; so wenig, wie bei der obligaten Begleitung dazu, dem
gegenseitigen einander Belügen.
Sonntag, 9. August 2015
Genie. - Das Wesen des Genies besteht in der Fähigkeit zu jener ganz im
Objekt aufgehenden reinen Kontemplation, durch welche die Ideen der Dinge
aufgefasst werden. Da nun diese ein gänzliches Vergessen der eigenen Person und
ihrer Beziehungen verlangt; so ist Genialität nichts Anderes, als die
vollkommenste Objektivität, d. h. objektive Richtung des Geistes,
entgegengesetzt der subjektiven, auf die eigene Person, d. i. den Willen,
gehenden. Demnach ist Genialität die Fähigkeit, sich rein anschauend zu
verhalten, sich in die Anschauung zu verlieren und die Erkenntnis, welche
ursprünglich nur zum Dienste des Willens da ist, diesem Dienste zu entziehen,
sonach seiner Persönlichkeit sich auf eine Zeit völlig zu entäußern, um als
rein erkennendes Subjekt, klares Weltauge übrig zu bleiben; und dieses nicht
auf Augenblicke, sondern so anhaltend und mit so viel Besonnenheit, als nötig
ist, um das Aufgefasste durch überlegte Kunst zu wiederholen. Damit der Genius
in einem Individuum hervortrete, muss diesem ein Maß der Erkenntniskraft
zugefallen sein, welches das zum Dienste eines individuellen Willens
erforderliche weit übersteigt, welcher frei gewordene Überschuss der Erkenntnis
jetzt zum willensreinen Subjekt, zum hellen Spiegel des Wesens der Welt wird.
Im Genie erreicht der freie und daher
abnorme Gebrauch des Intellekts den Grad, wo das Erkennen zur Hauptsache, zum
Zweck des ganzen Lebens wird, das eigene Dasein hingegen zur Nebensache, zum
bloßen Mittel herabsinkt, also das normale Verhältnis sich gänzlich umkehrt.
Demnach lebt das Genie im Ganzen genommen mehr in der übrigen Welt mittelst der
erkennenden Auffassung derselben, als in seiner eigenen Person. Ihm benimmt die
ganz abnorme Erhöhung der Erkenntniskräfte die Möglichkeit, seine Zeit durch
das bloße Dasein und dessen Zwecke auszufüllen; sein Geist bedarf beständiger
und starker Beschäftigung.
Die Ähnlichkeit, welche zwischen dem Genie
und dem Kindesalter Statt findet, beruht auf dem Beiden eigentümlichen
Überschuss der Erkenntniskräfte über die Bedürfnisse des Willens und dem daraus
entspringenden Vorwalten der bloß erkennenden Tätigkeit. Wirklich ist jedes
Kind gewissermaßen ein Genie, und jedes Genie gewissermaßen ein Kind. Die
Verwandtschaft Beider zeigt sich zunächst in der Naivität und erhabenen
Einfalt, welche ein Grundzug des echten Genies ist; sie tritt außerdem in
manchen Zügen an den Tag, so dass eine gewisse Kindlichkeit allerdings zum
Charakter des Genies gehört. Jedes Genie ist schon darum ein großes Kind, weil
es in die Welt hineinschaut als in ein Fremdes, ein Schauspiel, daher mit
objektivem Interesse. Jenes dem Kindesalter natürliche Überwiegen des sensiblen
Systems und der erkennenden Tätigkeit erhält sich beim Genie, abnormer Weise,
das ganze Leben hindurch, wird also hier ein perennierendes.
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