Donnerstag, 15. März 2018


Tu te trompes, Philémon, si avec ce carrosse brillant, ce grand nombre de coquins qui te suivent, et ces six bêtes qui te traînent, tu penses que l'on t'en estime davantage: l'on écarte tout cet attirail qui t'est étranger, pour pénétrer jusques à toi, qui n'es qu'un fat.

Ce n'est pas qu'il faut quelquefois pardonner à celui qui, avec un grand cortège, un habit riche et un magnifique équipage, s'en croit plus de naissance et plus d'esprit: il lit cela dans la contenance et dans les yeux de ceux qui lui parlent.

Du irrst dich, Philemon, wenn du glaubst, man achte dich höher mit deiner glänzenden Kutsche, dem Schwarm von Tagedieben, die dir folgen, den sechs Tieren, die dich ziehen: man schiebt diesen ganzen Aufwand, der ja selbst nichts mit dir zu tun hat, beiseite und dringt bis in dein Inneres, und da bist du nur ein Geck.

Nicht etwa, dass man bisweilen Nachsicht üben muss gegen den, der sich mit einem grossen Gefolge, einem reichen Gewande und einem grossartigen Aufzug vornehmer und geistvoller glaubt: er liest das in der Haltung und in den Augen der Leute, die mit ihm sprechen.

Sonntag, 4. März 2018


Après le mérite personnel, il faut l'avouer, ce sont les éminentes dignités et les grands titres dont les hommes tirent plus de distinction et plus d'éclat; et qui ne sait être un Érasme doit penser à être un évêque. Quelques-uns, pour étendre leur renommée, entassent sur leurs personnes des pairies, des colliers d'ordre, des primaties, la pourpre, et ils auraient besoin d'une tiare; mais quel besoin a Trophime d'être cardinal?

Once a person can't achieve personal merit, he has to get people to admit that he has it, with the eminent dignities and great titles with which men become so distinguished and brilliant; and someone who can't be an Erasmus has to think about becoming a bishop. Some people, to extend their fame, surround themselves with Peers, the collars of various Orders, the Primaries, purple robes, and they would need a tiara; but what need does Trophime have of being a cardinal?

Montag, 26. Februar 2018


Un homme libre, et qui n'a point de femme, s'il a quelque esprit, peut s'élever au-dessus de sa fortune, se mêler dans le monde, et aller de pair avec les plus honnêtes gens. Cela est moins facile à celui qui est engagé: il semble que le mariage met tout le monde dans son ordre.

Ein freier Mann, der keine Frau hat, kann, wenn er einigen Geist besitzt, sich über den Rang, den ihm seine äusseren Verhältnisse auferlegen, erheben, sich unter die Welt mischen und mit den angesehensten Leuten auf gleichem Fusse leben. Das ist weniger leicht, wenn man gebunden ist: es scheint, dass die Ehe jedem seinen Platz anweist.

A man who is free and does not have a wife, if he has some esprit, can lift himself above his fortune, mix in society and become a peer of the noblest men. This is more difficult for someone who is engaged: it seems that marriage puts everyone in his place.

Freitag, 16. Februar 2018


4) Die Rolle des Instinkts in der Geschlechtsliebe.
Aller Geschlechtsliebe liegt ein durchaus auf das zu Erzeugende gerichteter Instinkt zum Grunde. Die Natur pflanzt überhaupt den Instinkt da ein, wo das handelnde Individuum den Zweck zu verstehen unfähig, oder ihn zu verfolgen unwillig sein würde. Daher pflanzt sie ihn in dem hier betrachteten Fall auch dem Menschen ein, als welcher den Zweck zwar verstehen könnte, ihn aber nicht mit dem nötigen Eifer, nämlich sogar auf Kosten seines individuellen Wohls, verfolgen würde. Also nimmt hier, wie bei allem Instinkt, die Wahrheit die Gestalt des Wahns an, um auf den Willen zu wirken. Um das Individuum, welches vermöge des tief in ihm wurzelnden Egoismus nur für egoistische Zwecke empfänglich ist, für den Bestand und die Beschaffenheit der Gattung in Tätigkeit zu setzen und sogar der Opfer für den Gattungszweck fähig zu machen, musste die Natur dem Individuum einen gewissen Wahn einpflanzen, vermöge dessen ihm als ein Gut für sich selbst erscheint, was in Wahrheit bloß eines für die Gattung ist, so dass dasselbe dieser dient, während es sich selber zu dienen wähnt. Dieser Wahn ist der Instinkt. Derselbe ist in den meisten Fällen anzusehen als der Sinn der Gattung, welcher aber das ihr Frommende nur durch die Täuschung des Individuums, dass es individuellen Zwecken nachzugehen wähnt, während es in Wahrheit bloß generelle verfolgt, erreichen kann.

In Folge des Instinkts wirkt bei der geschlechtlichen Auswahl vor allen Dingen die Rücksicht auf Schönheit des anderen Individuums, als durch welche der Typus der Gattung möglichst rein und richtig erhalten wird. Das schwindelnde Entzücken, welches den Mann beim Anblick eines Weibes von ihm angemessener Schönheit ergreift und ihm die Vereinigung mit ihr als das höchste Gut vorspiegelt, ist eben der Sinn der Gattung, welcher, den deutlich ausgedrückten Stempel derselben erkennend, sie mit diesem perpetuieren möchte. Nächst der Schönheit begehrt (in Folge des Instinkts) Jeder besonders heftig diejenigen Vollkommenheiten am anderen Individuum, welche ihm selbst abgehen, ja sogar die Unvollkommenheiten, welche das Gegenteil seiner eigenen sind.
Die instinktiv leitenden Rücksichten, welche bei dem geschlechtlichen Wohlgefallen und der geschlechtlichen Auswahl walten, zerfallen in solche, welche unmittelbar den Typus der Gattung, d. i. die Schönheit betreffen, in solche, welche auf psychische Eigenschaften gerichtet sind, und endlich in bloß relative, welche aus der erforderten Korrektion oder Neutralisation der Einseitigkeiten und Abnormitäten der beiden Individuen durch einander hervorgehen.


5) Unabhängigkeit der Geschlechtsliebe von der Freundschaft.
Weil die verliebte Leidenschaft sich eigentlich um das zu Erzeugende und dessen Eigenschaften dreht, kann zwischen zwei jungen Leuten verschiedenen Geschlechts, vermöge der Übereinstimmung ihrer Gesinnung, ihres Charakters, ihrer Geistesrichtung, Freundschaft bestehen, ohne dass Geschlechtsliebe sich einmischte; ja sogar kann in dieser Hinsicht eine gewisse Abneigung zwischen ihnen vorhanden sein. Der Grund hiervon ist, dass ein von ihnen erzeugtes Kind körperlich oder geistig disharmonierende Eigenschaften haben, kurz, seine Existenz und Beschaffenheit den Zwecken des Willens zum Leben, wie er sich in der Gattung darstellt, nicht entsprechen würde. Im entgegengesetzten Fall kann, bei Heterogenität der Gesinnung, des Charakters und der Geistesrichtung, und bei der daraus hervorgehenden Abneigung, ja Feindseligkeit, doch die Geschlechtsliebe aufkommen und bestehen; wo sie dann über jenes Alles verblendet; verleitet sie hier zur Ehe, so wird es eine sehr unglückliche.