Montag, 1. Juli 2019

Überall und zu allen Zeiten hat es viel Unzufriedenheit mit den Regierungen, Gesetzen und öffentlichen Einrichtungen gegeben; großenteils aber nur, weil man stets bereit ist, diesen das Elend zur Last zu legen, welches dem menschlichen Dasein selbst unzertrennlich anhängt, indem es, mythisch zu reden, der Fluch ist, den Adam empfing, und mit ihm sein ganzes Geschlecht. Jedoch nie ist jene falsche Vorspiegelung auf lügenhaftere und frechere Weise gemacht worden, als von den Demagogen der „Jetztzeit“. Diese nämlich sind, als Feinde des Christentums, Optimisten: Die Welt ist ihnen „Selbstzweck“ und daher an sich selbst, d.h. ihrer natürlichen Beschaffenheit nach, ganz vortrefflich eingerichtet, ein rechter Wohnplatz der Glückseligkeit. Die nun hiergegen schreienden, kolossalen Übel der Welt schreiben sie gänzlich den Regierungen zu: Täten nämlich nur diese ihre Schuldigkeit, so würde der Himmel auf Erden existieren, d.h. alle würden ohne Mühe und Not vollauf fressen, saufen, sich propagieren und krepieren können: denn dies ist die Paraphrase ihres „Selbstzwecks“ und das Ziel des „unendlichen Fortschritts der Menschheit“, den sie in pomphaften Phrasen unermüdlich verkündigen.

Donnerstag, 20. Juni 2019

Wenn der Zweck der Akademien wäre, die Wahrheit möglichst zu unterdrücken, Geist und Talent nach Kräften zu ersticken und den Ruhm der Windbeutel und Scharlatane tapfer aufrecht zu erhalten, so hätte dies Mal unsere Dänische Akademie demselben vortrefflich entsprochen.
Ich habe unwidersprechlich nachgewiesen, daß die Königlich Dänische Sozietät das wirklich gefragt hat, was sie gefragt zu haben leugnet, hingegen das, was sie gefragt zu haben behauptet, nicht gefragt hat, ja, nicht einmal hat fragen können.
Ich will hier doch nicht unerwähnt lassen, daß der Mensch, welcher, in Folge des streng und knapp normalen Maaßes seiner intellektuellen Kräfte, keine geistige Bedürfnisse hat, es eigentlich ist, den ein der deutschen Sprache ausschließlich eigener, vom Studentenleben ausgegangener, nachmals aber in einem höheren, wiewohl dem ursprünglichen, durch den Gegensatz zum Musensohne, immer noch analogen Sinne gebrauchter Ausdruck als den Philister bezeichnet. Dieser nämlich ist und bleibt der amusische Mensch. Nun würde ich zwar, von einem höhern Standpunkt aus, die Definition der Philister so aussprechen, daß sie Leute wären, die immerfort auf das Ernstlichste beschäftigt sind mit einer Realität, die keine ist. Allein eine solche, schon transscendentale Definition, würde dem populären Standpunkt, auf welchen ich mich in dieser Abhandlung gestellt habe, nicht angemessen, daher auch vielleicht nicht durchaus jedem Leser faßlich seyn. Jene erstere hingegen läßt leichter eine specielle Erläuterung zu und bezeichnet hinreichend das Wesentliche der Sache, die Wurzel aller der Eigenschaften, die den Philister charakterisiren. Er ist demnach ein Mensch ohne geistige Bedürfnisse.

Montag, 10. Juni 2019


Nous avons vu des hommes réputés honnêtes, des société considérables, applaudir au bonheur de Mlle..., jeune personne, belle, spirituelle, vertuese, qui obtenait l'avantage de devenir l'épouse de M..., vieillard malsain, repoussant, malhonnête, imbécile, mais riche. Si quelque chose caractérise un siècle infâme, c'est un pareil sujet de triomphe, c'est le ridicule d'une telle joie, c'est ce renversement de toutes les idées morales et naturelles.     

We have seen men who are reputed honest and of considerable society congratulate the luck of Mlle ..., a young, beautiful, spiritual, and virtuous person, for succeeding in becoming the wife of M..., a sickly, repellent, dishonest, imbecilic, but rich old man. If anything characterizes vile centuries, it is considering such a thing a triumph, the ridiculousness of such a joy, the inversion of every moral and natural idea.  

Dienstag, 28. Mai 2019

Die Ehe der Grossen ist Unschicklichkeit durch Übereinkommen.
Le mariage, tel qu'il se pratique chez les grands, est une indécence convenue.     



Marriage, as it is practiced by the nobility, is an agreed upon indecency.  




Mittwoch, 22. Mai 2019


Roman und Leben

Mut habe ich zum Zweifeln, wie ich glaube, an allem; ich habe Mut, zu kämpfen, wie ich glaube, gegen alles und jedes; aber ich habe nicht den Mut, etwas zu erkennen, nicht den Mut, es zu besitzen, als mein eigen. Die meisten Menschen klagen darüber, dass die Welt so prosaisch sei, dass es im Leben nicht so zugehe, wie im Roman, wo die Gelegenheit immer so günstig sei. Ich klage darüber, dass es im Leben nicht ist, wie im Roman, wo man hartherzige Väter, Kobolde und Zauberer zu bekämpfen, verzauberte Prinzessinen zu befreien hat. Was sind doch alle diese Feinde zusammengenommen gegen die bleichen, blutlosen, lebenszähen, nächtlichen Scheinen, mit denen ich kämpfe, und die ich selbst ins Leben rufe!