Dienstag, 4. März 2025

 

What is a man of letters who is not elevated by his character, by the merit of his friends and by a little leisure? If he lacks this last advantage to the point that he can't live decently in the society that his merit calls him to, what need does he have of society? Isn't he obliged then to choose a solitude in which he can cultivate his soul, his character and his reason in peace? Is it necessary for him to carry the weight of society without collecting any of the advantages that it gives to other types of citizens? A man of letters who is forced into going alone will find the happiness there that he has sought elsewhere in vain. It is such a person who can say that by having been refused everything, he has been given everything. On how many occasions can't a person repeat the phrase of Themistocles: "Alas! We would have perished if we hadn't perished!" 

 

… Mehr als ein Schriftsteller hat durch den Entschluss zur Einsamkeit das Glück gefunden, das er sonst vergeblich gesucht hätte. Er kann von sich sagen, dass man ihm alles gab, indem man ihm alles nahm. Wie oft kann er nicht das Wort des Themistokles wiederholen: „Ach, ich würde zugrunde gehen, wenn ich nicht schon zugrunde gegangen wäre.“

 

Qu'est-ce que c'est qu'un homme de lettres qui n'est pas rehaussé par son caractère, par le mérite de ses amis, et par un peu d'aisance? Si ce dernier avantage lui manque au point qu'il soit hors d'état de vivre convenablement dans la société où son mérite l'appelle, qu'a-t-il besoin du monde? Son seul parti n'est-il pas de se choisir une retraite où il puisse cultiver en paix son âme, son caractère et sa raison? Faut-il qu'il porte le poids de la société, sans recueillir un seul des avantages qu'elle procure aux autres classes de citoyens? Plus d'un homme de lettres, forcé de prendre ce parti, y a trouvé le bonheur qu'il eût cherché ailleurs vainement. C'est celui-là qui peut dire qu'en lui refusant tout on lui a tout donné. Dans combien d'occasions ne peut-on pas répéter le mot de Thémistocle: « Hélas! nous périssions si nous n'eussions péri! »    

Samstag, 22. Februar 2025

 

»Also Montag um eins in der Ausstellung.« Sehr wohl, ich werde die Ehre haben, mich kurz vor 1 Uhr einzufinden. Ein kleines Rendezvous. Am Sonnabend entschloß ich mich, meinem abgereisten Freunde Adolf Brunn einen Besuch zu machen. Gegen 6 Uhr abends ging ich nach der Westergade, wo er, wie man mir gesagt hatte, wohnen sollte. Er war indessen nicht zu finden, selbst nicht in der dritten Etage. Aber als ich die Treppe wieder hinuntergehe, höre ich eine melodische, weibliche Stimme halblaut sagen: »Also Montag um eins in der Ausstellung; dann sind die andern aus, aber du weißt, daß ich dich zu Hause nicht sehen darf.« Die Einladung galt nicht mir, sondern einem jungen Menschen, der sich so rasch aus dem Staube machte, daß weder meine Blicke noch meine Schritte ihn verfolgen konnten. Weshalb war doch kein Gas auf den Korridoren? dann hätte ich vielleicht gesehen, ob es der Mühe wert gewesen wäre, so präzis zu erscheinen. Doch nein, hätte auf den Korridoren Gas gebrannt, dann würde ich sehr wahrscheinlich nichts gehört haben.

Das Bestehende ist das Vernünftige, ich bin und bleibe Optimist... Wer ist es nun? In der Ausstellung fehlt es nicht an jungen Mädchen. Es ist zehn Minuten vor eins! Meine schöne Unbekannte! möchte Ihr Zukünftiger immer so präzis wie ich sein, oder wünschen Sie vielleicht, er möchte nicht zu früh kommen? Wie Sie wollen, ich stehe zu Diensten. »Reizende Zauberin, Fee oder Hexe, laß deinen Nebel verschwinden,« offenbare dich, du bist vermutlich schon gegenwärtig, aber unsichtbar für mich, verrate dich, denn nur dann werde ich auf eine Offenbarung hoffen dürfen. Sollten noch andre hier oben sein, die derselbe Wunsch hergeführt hat? Wohl möglich. Wer kennt die Wege eines Menschen, selbst wenn er die Ausstellung besucht. – – Da kommt ein junges Mädchen, sie eilt schneller noch als das böse Gewissen hinter dem Sünder. Sie vergißt das Billet abzugeben; der Portier hält sie auf. Um alles in der Welt, welche Eile! Das muß sie sein. Nur nicht zu heftig, es ist noch nicht eins. Vergessen Sie doch nicht, daß Sie dem Geliebten entgegengehen. Da ist's nicht ganz einerlei, wie man aussieht. Wenn solch junges, unschuldiges Blut zu einem Rendezvous kommt, dann ist sie wie wahnsinnig. Ich dagegen sitze ganz gemütlich auf meinem Stuhl und betrachte eine herrliche Landschaft... Ein Teufelsmädchen, sie stürmt durch alle Zimmer. – – –

 

Ein Rendezvous wird von den Liebenden gewöhnlich als der schönste Augenblick angesehen. Ich selber erinnere mich dessen noch so deutlich, als wär's gestern gewesen, wie ich zum erstenmal nach dem verabredeten Orte eilte, wie war mein Herz so reich in Gedanken an die unbekannte Freude, die meiner wartete, wie ich zum erstenmal drei Schläge mit der Hand machte, zum erstenmal das Fenster sich öffnete, das Gartenpförtchen von der unsichtbaren Hand eines Mädchens geöffnet wurde – zum erstenmal in der hellen Sommernacht sich ein liebes Mädchen unter meinem Mantel verbarg. Doch ist dieses Urteil nicht ohne alle Illusion. Ein Unparteiischer findet nicht immer, daß die Liebenden in diesem Moment am schönsten sind. Ich habe Rendezvous beobachtet, deren Total-Eindruck fast unangenehm berührte, obgleich sie reizend und er schön war. Wer hier häufiger Erfahrungen gemacht hat, wird dadurch gewissermaßen reicher; wohl verliert man dann die süße Unruhe der ungeduldigen Sehnsucht, aber durch die innere Ruhe wird der Augenblick wirklich schön. Ich kann mich ärgern, wenn ein junger Mann bei einer solchen Gelegenheit so verwirrt wird, daß er aus reiner Liebe ein delirium tremens bekommt. Was verstehen Bauern von Gurkensalat? Statt mit aller Ruhe ihre Unruhe zu genießen, und dadurch ihre Schönheit in glühenderem Lichte zu sehen, macht er eine unschöne Konfusion, und kehrt doch vergnügt nach Hause zurück, bildet sich ein, es sei herrlich gewesen. – – –

Sonntag, 16. Februar 2025

Montag, 10. Februar 2025

 

Aber wo zum Teufel bleibt der Mensch? die Uhr ist ja gleich zwei. Was für ein Schlingel, ein junges Mädchen so auf sich warten zu lassen. Nein, da bin ich doch ein ganz anders zuverlässiger Mensch! Ich werde sie anreden, wenn sie nun zum fünften Male an mir vorübergeht. »Verzeihen Sie meine Kühnheit, schönes Fräulein, Sie suchen hier oben gewiß Ihre Familie? Sie sind schon öfter an mir vorübergeeilt, und ich habe bemerkt, daß Sie nur bis zu dem vorletzten Zimmer gingen. Sie wissen wohl nicht, daß da noch ein Zimmer ist, und vielleicht treffen Sie dort die, die Sie suchen.« Sie verbeugt sich vor mir. Allerliebst! die Gelegenheit ist günstig; es freut mich, daß der Mensch nicht kommt, man fischt immer am besten in unruhigem Wasser. Wenn ein junges Mädchen erregt ist, kann man oft etwas erreichen, was einem zu andern Zeiten unmöglich wäre. Ich habe mich so höflich und so fremd wie möglich vor ihr verbeugt und sitze nun wieder auf meinem Stuhl, betrachte die Landschaft und lasse sie nicht aus den Augen. Ihr gleich zu folgen, wäre zu viel gewagt, das könnte zudringlich erscheinen; jetzt meint sie, ich habe sie nur mit freundlicher Teilnahme angeredet und bin gut bei ihr angeschrieben.

 

In dem letzten Zimmer ist keine Seele, ich weiß es wohl. Die Einsamkeit wird einen guten Einfluß auf sie ausüben; solange sie viele Menschen um sich sieht, ist sie unruhig, fühlt sie sich allein, so wird sie stiller werden. Ganz richtig, sie bleibt drinnen. Bald komme ich en passant dahin. Ich darf noch eine Frage an sie richten, sie schuldet mir ja eigentlich einen Gruß. – Sie hat sich gesetzt. Armes Mädchen, sie sieht so wehmütig aus, ich glaube gar, sie hat geweint, wenigstens hat sie Thränen in den Augen. Es ist empörend, einem Mädchen solchen Kummer zu bereiten, daß es weinen muß. Aber nur Geduld – du sollst gerächt werden, ich will dich rächen. –

 

Wie ist sie schön, nun die Stürme sich gelegt haben. Ihr ganzes Wesen ist Wehmut und Harmonie des Schmerzes. Sie ist wirklich einnehmend und sieht aus, als nähme sie von dem Geliebten für immer Abschied. Laß ihn laufen! – die Situation ist günstig. Ich muß mich so ausdrücken, daß es aussieht, als glaubte ich wirklich, sie suche ihre Familie oder Bekannte, und ich muß doch so warm sprechen, daß jedes Wort für ihre Gefühle bezeichnend ist, dann werde ich mich schon in ihre Gedanken hineinschleichen. – – – Hol der Teufel den Schlingel. Wahrhaftig, das muß er sein, und ich stehe gerade am erwünschten Ziel. Doch es ist noch nicht alles verloren. Sie muß mich wenigstens noch einmal sehen, dann wird sie unwillkürlich über mich lächeln, weil ich ja glaubte, sie suche hier ihre Familie, und sie suchte etwas ganz andres. Dieses Lächeln weiht mich in ihr Geheimnis ein, das ist immer etwas...