Ein
anderes Beispiel wieder geben viele geladene Gäste in Feierkleidern, unter
festlichem Empfange; sie sind das Aushängeschild der edlen, erhöhten
Geselligkeit; aber statt ihrer ist in der Regel nur Zwang, Pein und Langeweile
gekommen: denn schon wo viele Gäste sind, ist viel Pack, – und hätten sie auch
sämtlich Sterne auf der Brust. Die wirklich gute Gesellschaft nämlich ist,
überall und notwendig, sehr klein. Überhaupt aber tragen glänzende, rauschende
Feste und Lustbarkeiten stets eine Leere, wohl gar einen Mißton im Innern;
schon weil sie dem Elend und der Dürftigkeit unseres Daseins laut
widersprechen, und der Kontrast erhöht die Wahrheit. Jedoch von außen gesehen
wirkt jenes alles: und das war der Zweck.
Samstag, 21. Dezember 2013
Desgleichen
sind nun auch Akademien und philosophische Katheder das Aushängeschild, der
äußere Schein der Weisheit: aber auch sie hat meistens abgesagt und ist ganz wo
anders zu finden. – Glockengebimmel, Priesterkostüme, fromme Gebärden und
fratzenhaftes Tun ist das Aushängeschild, der falsche Schein der Andacht usw.
Sonntag, 8. Dezember 2013
Um die Liebe in
Atem zu halten, verordnete Lykurg, dass die Ehegatten sich nur
verstohlenerweise begehen sollten und das es für sie gleich schimpflich sein
solle, im Beilager angetroffen zu werden, wie für Unvermählte. Die
Schwierigkeit, sich ein Stelldichein zu geben, die Gefahr der Überraschung, die
Schande des folgenden Tags,
und das Schmachten,
das Schweigen, das Seufzen aus tiefster Brust,
das ist es, was der
Suppe die Würze gibt. Wie viele sehr unflätig ergötzliche Spiele entstehen aus
der züchtigen und verschämten Weise, von den Werken die Liebe zu sprechen. Die
Wollust selbst sucht sich durch den Schmerz aufzustacheln. Sie ist gar viel
süßer, wenn sie sengt und wenn sie kratzt.
Pour tenir l’amour
en haleine, Licurgue ordonna que les mariez de Lacedemone ne se pourroient
prattiquer qu’à la desrobée, et que ce seroit pareille honte de les rencontrer
couchés ensemble, qu’avecques d’autres. La difficulté des assignations, le
dangier des surprises, la honte du lendemain,
et languor, et
silentium,
Et latere petitus imo spiritus,
Et latere petitus imo spiritus,
c’est ce qui donne
pointe à la sauce. Combien de jeux tres lascivement plaisants naissent de
l’honneste et vergongneuse manière de parler des ouvrages de l’amour’ La
volupté mesme cerche à s’irriter par la douleur. Elle est bien plus sucrée
quand elle cuit et quand elle escorche.
Le desir et la
jouyssance nous mettent pareillement en peine. La rigueur des maistresses est
ennuyeuse, mais l’aisance et la facilité l’est, à dire verité, encores plus :
d’autant que le mescontentement et la cholere naissent de l’estimation en quoy
nous avons la chose desirée, éguisent l’amour et le reschauffent ; mais la
satieté engendre le dégoust : c’est une passion mousse, hebetée, lasse et
endormie.
Das Verlangen und der Genuss machen uns gleicherweise Beschwerden. Die Sprödigkeit der Geliebten ist verdrießlich, aber die Willfährigkeit und Fügsamkeit ist es, die Wahrheit zu sagen, noch mehr; zumal die Unzufriedenheit und der Zorn aus der Hochschätzung entspringen, in der wir das Begehrte halten, und die Liebe anspornen und reizen; die Sättigung aber gebiert Ekel: es ist eine dumpfe, verdutzte, müde und schläfrige Leidenschaft.
Dienstag, 3. Dezember 2013
Wozu dienen die
Künste jener jungfräulichen Verschämtheit? Diese gemessene Kälte, diese
gestrengen Mienen, die vorgeschützte Unwissenheit in Dingen, die sie besser
wissen als wir, die wir sie darin unterrichten, als zur Bestärkung unseres
Verlangens, all diese Förmlichkeiten und Hindernisse zu überwinden, zu bändigen
und unseren Gelüsten untertan zu machen?
Denn es ist nicht
nur Lust sondern überdies noch Ruhm dabei, diese ängstliche Sanftheit und
kindliche Scham zu bestricken und zu betören und diese stolze und hochwürdige
Strenge der Gnade und Ungnade unseres Ungestüms zu unterwerfen: es ist
ruhmreich, sagen sie, über die Spröde, die Schüchternheit, die Keuschheit und
die Züchtigkeit zu triumphieren: und wer den Frauen diese Dinge ausreden will,
der erweist ihnen und sich selber einen schlechten Dienst. Man muss glauben,
dass ihr Herz vor Schrecken erbebe, dass der Klang unserer Worte die Keuschheit
ihrer Ohren verletze, dass sie uns hassen und unserem Drängen nur aus
notgedrungener Not nachgeben.
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