Freitag, 10. April 2015
Si certains esprits vifs et décisifs étaient crus, ce serait encore trop
que les termes pour exprimer les sentiments: il faudrait leur parler par
signes, ou sans parler se faire entendre. Quelque soin qu'on apporte à être
serré et concis, et quelque réputation qu'on ait d'être tel, ils vous trouvent
diffus. Il faut leur laisser tout à suppléer, et n'écrire que pour eux seuls.
Ils conçoivent un période par le mot qui la commence, et par une période tout
un chapitre: leur avez-vous lu un seul endroit de l'ouvrage, c'est assez, ils
sont dans le fait et entendent l'ouvrage. Un tissu d'énigmes leur serait une
lecture divertissante; et c'est une perte pour eux que ce style estropié qui
les enlève soit rare, et que peu d'écrivains s'en accommodent. Les comparaisons
tirées d'un fleuve dont le cours, quoique rapide, est égal et uniforme, ou d'un
embrasement qui, poussé par les vents, s'épand au loin dans un forêt où il
consume les chênes et les pins, ne leur fournissent aucune idée de l'éloquence.
Montrez-leur un feu grégeois qui les surprenne, ou un éclair qui les éblouisse,
ils vous quittent du bon et du beau.
Freitag, 27. März 2015
Um mit vollkommener Besonnenheit zu leben und aus der
eigenen Erfahrung alle Belehrung, die sie enthält, herauszuziehen, ist
erfordert, daß man oft zurückdenke und was man erlebt, getan, erfahren und
dabei empfunden hat rekapituliere, auch sein ehemaliges Urteil mit seinem
gegenwärtigen, seinem Vorsatze und Streben mit dem Erfolg und der Befriedigung
durch denselben vergleiche. Dies ist die Repetition des Privatissimums, welches
jedem die Erfahrung liest. Auch läßt die eigene Erfahrung sich ansehn als der
Text; Nachdenken und Kenntnisse als der Kommentar dazu. Viel Nachdenken und
Kenntnisse, bei wenig Erfahrung, gleicht den Ausgaben, deren Seiten zwei Zeilen
Text und vierzig Zeilen Kommentar darbieten. Viel Erfahrung, bei wenig
Nachdenken und geringen Kenntnissen, gleicht den bipontinischen Ausgaben, ohne
Noten, welche vieles unverstanden lassen.
Auf die hier gegebene Anempfehlung zielt auch die Regel des
Pythagoras, daß man abends, vor dem Einschlafen, durchmustern solle, was man
den Tag über getan hat. Wer im Getümmel der Geschäfte, oder Vergnügungen,
dahinlebt, ohne je seine Vergangenheit zu ruminieren, vielmehr nur immerfort
sein Leben abhaspelt, dem geht die klare Besonnenheit verloren: sein Gemüt wird
ein Chaos, und eine gewisse Verworrenheit kommt in seine Gedanken, von welcher
alsbald das Abrupte, Fragmentarische, gleichsam Kleingehackte seiner
Konversation zeugt. Dies ist um so mehr der Fall je größer die äußre Unruhe,
die Menge der Eindrücke, und je geringer die innere Tätigkeit seines Geistes
ist.
Hierher gehört die Bemerkung, daß, nach länger Zeit und
nachdem die Verhältnisse und Umgebungen, welche auf uns einwirkten,
vorübergegangen sind, wir nicht vermögen, unsere damals durch sie erregte
Stimmung und Empfindung uns zurückzurufen und zu erneuern: wohl aber können wir
unserer eigenen, damals von ihnen hervorgerufenen Äußerungen uns erinnern.
Diese nun sind das Resultat, der Ausdruck und der Maßstab jener. Dafür sollte
das Gedächtnis, oder das Papier, dergleichen, aus denkwürdigen Zeitpunkten,
sorgfältig aufbewahren. Hierzu sind Tagebücher sehr nützlich.
Samstag, 21. März 2015
Alle Beschränkung beglückt. Je enger unser Gesichts-,
Wirkungs- und Berührungskreis, desto glücklicher sind wir: je weiter, desto
öfter fühlen wir uns gequält, oder geängstigt. Denn mit ihm vermehren und
vergrößern sich die Sorgen, Wünsche und Schrecknisse. Darum sind sogar Blinde
nicht so unglücklich, wie es uns a priori scheinen muß: dies bezeugt die
sanfte, fast heitere Ruhe in ihren Gesichtszügen.
Auch beruht es zum Teil auf dieser Regel, daß die zweite
Hälfte des Lebens trauriger ausfällt, als die erste. Denn im Laufe des Lebens
wird der Horizont unserer Zwecke und Beziehungen immer weiter: In der Kindheit
ist er auf die nächste Umgebung und die engsten Verhältnisse beschränkt; im
Jünglingsalter reicht er schon bedeutend weiter; im Mannesalter umfaßt er
unsern ganzen Lebenslauf, ja, erstreckt sich oft auf die entferntesten
Verhältnisse, auf Staaten und Völker; im Greisen alter umfaßt er die
Nachkommen. –
Jede Beschränkung hingegen, sogar die geistige, ist unserm
Glücke förderlich. Denn je weniger Erregung des Willens, desto weniger Leiden:
und wir wissen, daß das Leiden das Positive, das Glück bloß negativ ist.
Beschränktheit des Wirkungskreises benimmt dem Willen die äußeren
Veranlassungen zur Erregung; Beschränktheit des Geistes die innern. Nur hat
letztere den Nachteil, daß sie der Langenweile die Tür öffnet, welche mittelbar
die Quelle unzähliger Leiden wird, indem man, um nur sie zu bannen, nach allem
greift, also Zerstreuung, Gesellschaft, Luxus, Spiel, Trunk usw. versucht,
welche jedoch Schaden, Ruin und Unglück jeder Art herbeiziehen.
Wie sehr hingegen die äußere Beschränkung dem menschlichen
Glücke, so weit es gehen kann, förderlich, ja, notwendig sei, ist daran
ersichtlich, daß die einzige Dichtungsart, welche glückliche Menschen zu
schildern unternimmt, das Idyll, sie stets und wesentlich in höchst
beschränkter Lage und Umgebung darstellt. Das Gefühl der Sache liegt auch
unserm Wohlgefallen an den sogenannten Genre-Bildern zugrunde. – Demgemäß wird
die möglichste Einfachheit unserer Verhältnisse und sogar die Einförmigkeit der
Lebensweise, so lange sie nicht Langeweile erzeugt, beglücken; weil sie das
Leben selbst, folglich auch die ihm wesentliche Last, am wenigsten spüren läßt,
es fließt dahin wie ein Bach, ohne Wellen und Strudel.
Sonntag, 1. März 2015
Je mehr nun aber einem die Furcht Ruhe läßt, desto mehr
beunruhigen ihn die Wünsche, die Begierden und Ansprüche. Goethes so beliebtes
Lied: »ich hab mein' Sach auf nichts gestellt«, besagt eigentlich, daß erst
nachdem der Mensch aus allen möglichen Ansprüchen herausgetrieben und auf das
nackte, halbe Dasein zurückgewiesen ist, er derjenigen Geistesruhe teilhaftig
wird, welche die Grundlage des menschlichen Glückes ausmacht, indem sie nötig
ist, um die Gegenwart, und somit das ganze Leben, genießbar zu finden. Zu eben
diesem Zwecke sollten wir stets eingedenk sein, daß der heutige Tag nur einmal
kommt und nimmer wieder. Aber wir wähnen, er komme morgen wieder: morgen ist
jedoch ein anderer Tag, der auch nur einmal kommt Wir aber vergessen, daß jeder
Tag ein integrierender und daher unersetzlicher Teil des Lebens ist, und
betrachten ihn vielmehr als unter demselben so enthalten, wie die Individuen
unter dem Gemeinbegriff. –
Ebenfalls würden wir die Gegenwart besser würdigen und
genießen, wenn wir in guten und gesunden Tagen, uns stets bewußt wären, wie in
Krankheiten, oder Betrübnissen, die Erinnerung uns jede schmerz- und
entbehrungslose Stunde als unendlich beneidenswert, als ein verlorenes
Paradies, als einen verkannten Freund vorhält. Aber wir verleben unsere schönen
Tage, ohne sie zu bemerken: erst wenn die schlimmen kommen, wünschen wir jene
zurück. Tausend heitere, angenehme Stunden lassen wir, mit verdrießlichem
Gesicht, ungenossen an uns vorüberziehen, um nachher, zur trüben Zeit, mit
vergeblicher Sehnsucht ihnen nachzuseufzen. Statt dessen sollten wir jede
erträgliche Gegenwart, auch die alltägliche, welche wir jetzt so gleichgültig
herüberziehen lassen, und wohl gar noch ungeduldig nachschieben, – in Ehren
halten, stets eingedenk, daß sie eben jetzt hinüberwallt in jene Apotheose der
Vergangenheit, woselbst sie fortan, vom Lichte der Unvergänglichkeit umstrahlt,
vom Gedächtnisse aufbewahrt wird, um, wann dieses einst, besonders zur
schlimmen Stunde, den Vorhang lüftet, als ein Gegenstand unserer innigen
Sehnsucht sich darzustellen.
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