Un
homme libre, et qui n'a point de femme, s'il a quelque esprit, peut s'élever
au-dessus de sa fortune, se mêler dans le monde, et aller de pair avec les plus
honnêtes gens. Cela est moins facile à celui qui est engagé: il semble que le
mariage met tout le monde dans son ordre.
Montag, 26. Februar 2018
Ein freier Mann, der keine
Frau hat, kann, wenn er einigen Geist besitzt, sich über den Rang, den ihm seine
äusseren Verhältnisse auferlegen, erheben, sich unter die Welt mischen und mit
den angesehensten Leuten auf gleichem Fusse leben. Das ist weniger leicht, wenn
man gebunden ist: es scheint, dass die Ehe jedem seinen Platz anweist.
Freitag, 16. Februar 2018
4) Die Rolle des Instinkts in der
Geschlechtsliebe.
Aller
Geschlechtsliebe liegt ein durchaus auf das zu Erzeugende gerichteter Instinkt
zum Grunde. Die Natur pflanzt überhaupt den Instinkt da ein, wo das handelnde
Individuum den Zweck zu verstehen unfähig, oder ihn zu verfolgen unwillig sein
würde. Daher pflanzt sie ihn in dem hier betrachteten Fall auch dem Menschen
ein, als welcher den Zweck zwar verstehen könnte, ihn aber nicht mit dem
nötigen Eifer, nämlich sogar auf Kosten seines individuellen Wohls, verfolgen
würde. Also nimmt hier, wie bei allem Instinkt, die Wahrheit die Gestalt des
Wahns an, um auf den Willen zu wirken. Um das Individuum, welches vermöge des
tief in ihm wurzelnden Egoismus nur für egoistische Zwecke empfänglich ist, für
den Bestand und die Beschaffenheit der Gattung in Tätigkeit zu setzen und sogar
der Opfer für den Gattungszweck fähig zu machen, musste die Natur dem
Individuum einen gewissen Wahn einpflanzen, vermöge dessen ihm als ein Gut für
sich selbst erscheint, was in Wahrheit bloß eines für die Gattung ist, so dass
dasselbe dieser dient, während es sich selber zu dienen wähnt. Dieser Wahn ist der
Instinkt. Derselbe ist in den meisten Fällen anzusehen als der Sinn der
Gattung, welcher aber das ihr Frommende nur durch die Täuschung des
Individuums, dass es individuellen Zwecken nachzugehen wähnt, während es in
Wahrheit bloß generelle verfolgt, erreichen kann.
In Folge des Instinkts wirkt bei der
geschlechtlichen Auswahl vor allen Dingen die Rücksicht auf Schönheit des
anderen Individuums, als durch welche der Typus der Gattung möglichst rein und
richtig erhalten wird. Das schwindelnde Entzücken, welches den Mann beim
Anblick eines Weibes von ihm angemessener Schönheit ergreift und ihm die
Vereinigung mit ihr als das höchste Gut vorspiegelt, ist eben der Sinn der
Gattung, welcher, den deutlich ausgedrückten Stempel derselben erkennend, sie
mit diesem perpetuieren möchte. Nächst der Schönheit begehrt (in Folge des
Instinkts) Jeder besonders heftig diejenigen Vollkommenheiten am anderen
Individuum, welche ihm selbst abgehen, ja sogar die Unvollkommenheiten, welche
das Gegenteil seiner eigenen sind.
Die
instinktiv leitenden Rücksichten, welche bei dem geschlechtlichen Wohlgefallen
und der geschlechtlichen Auswahl walten, zerfallen in solche, welche
unmittelbar den Typus der Gattung, d. i. die Schönheit betreffen, in solche,
welche auf psychische Eigenschaften gerichtet sind, und endlich in bloß
relative, welche aus der erforderten Korrektion oder Neutralisation der
Einseitigkeiten und Abnormitäten der beiden Individuen durch einander
hervorgehen.
5) Unabhängigkeit der Geschlechtsliebe von
der Freundschaft.
Weil
die verliebte Leidenschaft sich eigentlich um das zu Erzeugende und dessen
Eigenschaften dreht, kann zwischen zwei jungen Leuten verschiedenen
Geschlechts, vermöge der Übereinstimmung ihrer Gesinnung, ihres Charakters,
ihrer Geistesrichtung, Freundschaft bestehen, ohne dass Geschlechtsliebe sich
einmischte; ja sogar kann in dieser Hinsicht eine gewisse Abneigung zwischen
ihnen vorhanden sein. Der Grund hiervon ist, dass ein von ihnen erzeugtes Kind
körperlich oder geistig disharmonierende Eigenschaften haben, kurz, seine
Existenz und Beschaffenheit den Zwecken des Willens zum Leben, wie er sich in
der Gattung darstellt, nicht entsprechen würde. Im entgegengesetzten Fall kann,
bei Heterogenität der Gesinnung, des Charakters und der Geistesrichtung, und
bei der daraus hervorgehenden Abneigung, ja Feindseligkeit, doch die
Geschlechtsliebe aufkommen und bestehen; wo sie dann über jenes Alles
verblendet; verleitet sie hier zur Ehe, so wird es eine sehr unglückliche.
6) Das Erhabene und Komische in der
Geschlechtsliebe.
Das
Verliebtsein eines Menschen liefert oft komische, mitunter auch tragische
Phänomene; Beides, weil er, vom Geiste der Gattung in Besitz genommen, jetzt
von diesem beherrscht wird und nicht mehr sich selber angehört. Dadurch wird
sein Handeln dem Individuum unangemessen. Was, bei den höheren Graden des
Verliebtseins, seinen Gedanken einen so poetischen und erhabenen Anstrich,
sogar eine transzendente und hyperphysische Richtung gibt, vermöge welcher er
seinen eigentlichen, sehr physischen Zweck ganz aus den Augen zu verlieren
scheint, ist im Grunde Dieses, dass er jetzt vom Geiste der Gattung, dessen
Angelegenheiten unendlich wichtiger, als alle bloß individuellen sind, beseelt
ist. Das Gefühl, in Angelegenheiten von so transzendenter Wichtigkeit zu
handeln, ist es, was den Verliebten so hoch über alles Irdische, ja über sich
selbst emporhebt und seinen sehr physischen Wünschen eine so hyperphysische
Einkleidung gibt, dass die Liebe eine poetische Episode sogar im Leben des
prosaischsten Menschen wird; in welchem letzteren Falle die Sache bisweilen
einen komischen Anstrich gewinnt. — Der Verliebte sucht im Grunde nicht seine
Sache, sondern die eines Dritten, der erst entstehen soll; wiewohl ihn der Wahn
umfängt, als wäre was er sucht seine Sache. Aber gerade dieses
Nicht-seine-Sache-suchen, welches überall der Stempel der Größe ist, gibt auch
der leidenschaftlichen Liebe den Anstrich des Erhabenen und macht sie zum
würdigen Gegenstande der Dichtung. Mittwoch, 31. Januar 2018
1) Worauf der Gegensatz zwischen dem
Eukolos und Dyskolos beruht.
Wie
im Erkennen, so ist auch im Gefühl des Leidens oder Wohlseins ein sehr großer
Teil subjektiv und a priori bestimmt. In jedem Individuum ist nämlich das Maß
des ihm wesentlichen Frohsinns oder Trübsinns durch seine Natur ein für alle
Mal bestimmt, welches Maß sich gleich bleibt, wie sehr auch die äußeren
Umstände wechseln mögen. Sein Leiden und Wohlsein ist demnach nicht von außen,
sondern eben nur durch jenes Maß, jene Anlage bestimmt, welche zwar durch das
physische Befinden einige Ab- und Zunahme zu verschiedenen Zeiten erfahren
kann, im Ganzen aber die selbe bleibt und nichts Anderes ist, als was man sein
Temperament oder seine Grundstimmung nennt. Auf der ursprünglichen
Verschiedenheit dieser beruht der Platonische Gegensatz zwischen dem Eukolos
und Dyskolos, d. i. zwischen dem, der leichten und dem, der schweren Sinnes
ist.
2) Entgegengesetztes Verhalten des Eukolos
und Dyskolos.
Nach
gleicher Möglichkeit des glücklichen und des unglücklichen Ausganges einer
Angelegenheit wird der Dyskolos beim unglücklichen sich ärgern, oder grämen,
beim glücklichen aber sich nicht freuen; der Eukolos hingegen wird über den
unglücklichen sich nicht ärgern, noch grämen, aber über den glücklichen sich
freuen. Wenn dem Dyskolos von zehn Vorhaben neun gelingen, so freut er sich
nicht über diese, sondern ärgert sich über das Eine misslungene; der Eukolos
weiß, im umgekehrten Fall, sich doch mit dem Einen gelungenen zu trösten und
aufzuheitern. Die Motive, auf welche der Selbstmord erfolgt, sind
beim Dyskolos und Eukolos sehr verschieden. Je größer die Dyskolie ist, ein
desto geringerer Anlass reicht hin, Lebensüberdruss und Selbstmord
herbeizuführen; je größer hingegen die Eukolie ist, desto mehr muss im äußeren
Anlass liegen, um zum Selbstmord zu bestimmen, die Schrecken des Todes zu
überwinden.
3) Vorzug des Dyskolos vor dem Eukolos.
Wie
nicht leicht ein Übel ohne alle Kompensation ist, so ergibt sich auch hier,
dass die Dyskoloi, also die finsteren und ängstlichen Charaktere im Ganzen zwar
mehr imaginäre, dafür aber weniger reale Unfälle und Leiden zu überstehen haben
werden, als die heiteren und sorglosen; denn wer Alles schwarz sieht, stets das
Schlimmste befürchtet und demnach seine Vorkehrungen trifft, wird sich nicht so
oft verrechnet haben, als wer stets den Dingen die heitere Farbe und Aussicht
leiht.
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